Die Jungdemokraten nehmen Abschied vom Liberalismus

Von Sepp Binder

Sie nennen sich gern die „Punkte hinter dem F, dem D und dem P der FDP“; Doch Punkte, die für die Partei zählen, sind sie zur Zeit kaum noch. Die rund 20 000 „Deutschen Jungdemokraten“ (DJD), im Verbandsjargon „Judos“ genannt, scheinen sich vielmehr dem Nullpunkt politischer Bedeutungslosigkeit zu nähern.

Uneins über ihre politischen Ziele, zerstritten über die erfolglose Suche nach einem sozialliberalen Standort zwischen Marx und Mende, haben sich die Jungdemokraten zum Konflikt mit der FDP entschlossen. Bis jetzt steht die Partie zwischen Partei und Politjugend noch unentschieden.

So in Niedersachsen. Dort stürzten die Jungdemokraten vor zwei Jahren den nationalliberalen Landesvorsitzenden der FDP, Carlo Graaff, und hoben den damaligen Judo-Chef Rötger Gross auf den Schild; jetzt wurden die FDP-Jungen von der Partei geschaßt: Rötger Gross sah seinen Verband zuletzt nur noch von „dogmatischen Sozialisten“ beherrscht.

Begonnen hatte der Judo-Kollisionskurs auf dem Landesjugendtag in Peine. Zuerst strichen die Jungliberalen aus ihrer Satzung die Verpflichtung, „sich aktiv für das Ziel der deutschen Einheit einzusetzen“, dann plädierten sie dafür, einen Antrag des Kreisverbandes Oldenburg, „marxistischen Strömungen innerhalb ihres Verbandes eine klare Absage“ zu erteilen, nicht zu behandeln.

Stein des Anstoßes für die niedersächsische FDP aber wurde der vor Jahresfrist wegen parteischädigenden Verhaltens von den Freien Demokraten ausgeschlossene Christian Schwarzenholz. Der 19jährige Lehrlingsreferent der Judos hielt seit jeher den Liberalismus für reaktionär und verlangte dessen konsequente Fortentwicklung zum Sozialismus. Seine Vorstellungen von „einer emanzipatorischen Bewegung zur Überwindung des Systems“ fand bei einigen „sozialistischen“ Judo-Kreisverbänden Zustimmung. Schwarzenholz baute innerhalb der niedersächsischen Jungliberalen eine „sozialistische Fraktion“ auf, die statt einer liberaleren Gesellschaft die „Diktatur des Proletariats“ erkämpfen wollte.