Von Imanuel Geiss

Die Verzweiflungstaten der palästinensischen Partisanen machen leicht vergessen, woher die Palästinenser kommen: Sie sind Flüchtlinge aus dem heutigen Israel, aus ihrer Heimat verdrängt von den eingewanderten Juden, die ihrerseits vom europäischen, speziell dem deutschen Antisemitismus vertrieben worden waren. Ein Teil der Araber blieb 1948 in Israel zurück. Über ihre Lebensbedingungen gibt es bei uns nur wenige, Informationen. Um so größere Aufmerksamkeit verdient daher die Gemeinschaftsarbeit von

Sabri Geries/Eli Lobel „Die Araber in Israel“; aus dem Französischen von Marc Schneider; Trikont Verlag, München 1970; 212 Seiten, 12,– DM.,

Geries ist arabischer Rechtsanwalt in Haifa, Lobel israelischer Trotzkist, der Israel in Paris, also von außen her, kritisiert. Trotz allen daraus resultierenden Einseitigkeiten ist es doch nützlich, die insgesamt rational vorgetragenen Argumente auch dieser Seite zur Kenntnis zu nehmen, um. sich ein eigenes und möglichst fundiertes Urteil über den schier hoffnungslosen, komplexen Nahostkonflikt zu bilden.

Allerdings wurde das Buch bereits vor Jahren abgeschlossen und erscheint erst jetzt in Deutschland. In wesentlichen Partien hat es daher nur noch historischen Charakter, aber sein Erscheinen zu dieser Zeit hat natürlich auch einen politischen Stellenwert.

In der nüchternen Sprache des Juristen schildert, Geries das Funktionieren der Ausnahmegesetze gegen die israelischen Araber. Da sie immerhin bis Ende 1966 in Kraft waren, hatten sie allerdings in den achtzehn Jahren ihrer Gültigkeit eine prägende Wirkung auf die soziale und politische Realität der Araber bis zum heutigen Tag; denn sie bildeten u. a. die Rechtsbasis für die Verdrängung, des arabischen Elements vom Boden des Heiligen Landes.

Psychologisch nicht minder gravierend waren die beiden israelischen Massaker an Arabern Am 9. April 1948 ermordeten israelische Terrorristengruppen in Deir-Jassin bei Jerusalem, als Vergeltung für einen vorausgegangenen arabischen Überfall auf einen jüdischen Omnibus, über 250 Araber; am 29. Oktober 1956 erschoß in der allgemeinen Nervosität des beginnenden Sinai-Feldzuges eine Einheit der israelischen Armee 47 arabische Bewohner des Dorfes Kafr Kassem an der (sonst ruhigen) Front gegenüber Jordanien. Später kam es in Israel zu Prozessor, Verurteilungen und öffentlicher Diskussion um beide Massaker.