Von Ingeborg Zaunitzer-Haase

Einen amtlichen Mietstopp wird es in Deutschland nicht geben. Einen nichtamtlichen Baustopp vieler Mietwohnungspläne hingegen, gibt es schon längst.

„Daß die gemeinnützigen Wohnungsunternehmen nicht schlagartig den Bau von Sozialwohnungen einstellen, darf über den Ernst der Lage nicht hinwegtäuschen.“ Das steht in einem Brief, den der Gesamtverband gemeinnütziger Wohnungsunternehmen im August dieses Jahres an Bundeskanzler Willy Brandt schrieb.

Der „Ernst der Lage“ läßt sich in Zahlen und Daten fassen:

  • Die Wohnungsgenossenschaft Heimkehr eGmbH., Hannover, wollte in einem Großbauvorhaben hundert Mietwohnungen frei finanziert errichten. Die Pläne waren fertig. Die Baugenehmigung der Stadt Hannover lag vor. Als mit dem Bau begonnen werden sollte, stellte es sich heraus, daß die gestiegenen Baupreise eine Kostenmiete von sechs Mark je Quadratmeter Wohnfläche nötig gemacht hätten – unbezahlbar für die Mieter dieser Genossenschaft. Die Pläne wurden in den Papierkorb geworfen.
  • Die Wilhelmshavener Wohnungsbaugesellschaft Jade mbH. wollte 176 Mietwohnungen bauen – und zwar für die Bundeswehr. Das Bauvolumen sollte 13 bis 14 Millionen Mark umfassen. Die Erschließung der Grundstücke war fertig; die ersten Rammstöße zur Fundamenterrichtung erschütterten das Erdreich. Denn es waren öffentliche Mittel bewilligt worden, und auch die Restfinanzierung „stand“, wie es in der Branche heißt.

Kürzlich stellte es sich heraus, daß mit dieser Finanzierung die Wohnungen bei weitem nicht mehr zu bauen waren. Das Projekt wurde zurückgestellt. Die Gesellschaft hofft, vielleicht im nächsten Frühjahr eine neue Finanzierung. zusammenzuhaben.

  • Die Gemeinnützige Wohnungsfürsorge AG., München, plante zusammen mit einigen anderen Unternehmen den Bau einer Wohnanlage in Bayerns Hauptstadt. Insgesamt sollten 3600 Wohneinheiten gebaut werden. Für 2500 dieser Wohnungen wurden bereits die ersten Spatenstiche getan. In drei Jahren sollte alles fertig sein. Jetzt stellte sich eine Verteuerung des Gesamtprojekts um 30 bis 40 Prozent heraus. Der Erfolg: statt in drei, hofft man jetzt, in sechs Jahren mit dem Bau dieser Wohnungen fertig zu sein.
  • Die „Gemeinnützige Wohnungsbau- und Kleinsiedlungsgesellschaft mbH. für den Kreis Hildesheim-Marienburg“ plante den Bau von 227 Mietwohnungen im sozialen Wohnungsbau. Davon sollten 120 speziell den Bedürfnissen älterer Menschen gerecht werden. Die öffentlichen Mittel waren genehmigt. Aber unmittelbar vor dem geplanten Baubeginn stellte es sich heraus, daß die Erschließungskosten um zwölf, die Baukosten um 35 Prozent gestiegen waren und daß auch die Kapitalkosten in die Höhe geschossen waren. Trotz Sozialförderung hätte sich eine Kostenmiete von 4,20 Mark je Quadratmeter ergeben. In Niedersachsen liegt aber die zulässige Mietobergrenze für den sozialen Wohnungsbau bei 3,45 Mark. Das Projekt mußte deshalb gestoppt werden.