Hamburg

Es ist kein Geheimnis: Auch unter Journalisten gibt es schwarze Schafe. Sie sitzen nicht nur in den Redaktionen für Crime- und Sex-Storys, sie sitzen auch bei der Neue Illustrierte Revue. Die Hamburger Zeitschrift beschäftigte sich in ihrem dritten Juniheft mit der winzigen Kanalinsel Sark. „Eine schreckliche Sache“, so klagt die 86 Jahre alte Alleinherrscherin der Insel, La dame de Serq.

Die „schreckliche Sache“ war eine Reportage, in der außer der Landschaftskulisse nichts, aber auch nichts der Wahrheit entspricht. Die Story hieß „Die Insel der rechtlosen Frauen“. Die Revue-Reporter wollten ihren naiven Lesern weißmachen, daß ein altes Gesetz den Männern erlaube, ihre Frauen mit der Peitsche zu zähmen; nur dürften die Schläge „keine sichtbaren Wunden hervorrufen, keine Knochen brechen oder die Augen verletzen“.

Für die Geschichte der Hamburger Reporter wurden die Kellner Werner Nagel aus München und Gerhard Asanger aus Salzburg, die während der Saison in einem Inselhotel arbeiten, als die angeblichen Sarker Ehemänner Clark Donley und Harry Stuart vorgestellt, und aus den Londoner Mannequins Rina und Linda wurden die Ehefrauen Mary Stuart und Sheila Donley gemacht. Auf den Farbphotos lassen die Männer auf die Frauen, die topless oder im Bikini im Gras knien, knorrige Knüppel herabsausen. In dieser Weise, so heißt es im Bericht dazu, würden auf Sark alle Frauen von ihren Männern behandelt.

Es ist dies ein dick aufgetragener Unsinn. Der skeptische Leser mag den verspäteten Aprilscherz sofort gemerkt haben; der einfache aber wird den Schmarren für bare Münze genommen haben. Betroffen aber sind die Inselbewohner: Sie fürchten, der Bericht könne Touristen abhalten, ihre Insel zu besuchen. D. W.