Von Heiner Molsner

Einerseits hat man nichts gegen Publicity. „Im Gegenteil“, sagt Otto Ledowski, der 42jährige Direktor des Eilenriede-Stifts in Hannover, das der niedersächsische Ministerpräsident als einen „großzügigen Alters- und Ruhesitz“ und als ein „Modell für das Bundesgebiet“ bezeichnet hat. „Im Gegenteil, nur durch die Presse können unsere Ziele einem breiteren Kreis bekannt gemacht werden.“ Andererseits reagiert man allergisch, wenn Art und Charakter dieses „Altenwohnheims für gehobene Ansprüche“ (so ein Beamter des hannoverschen Sozialamts) mit eingängigen Slogans versehen werden, wie zum Beispiel, daß dies ein Alterssitz für Millionäre sei. Professor Dr. Ludwig Freund von der Roosevelt University, Chicago, korrigiert: „Hier wohnen keine Millionäre, sondern Menschen des soliden Mittelstandes, die für ihr Alter gespart haben. Sie brauchten nicht mehr zu tun, als einige Jahre aufden heutzutage weitverbreiteten Luxus eines Privatautos oder teurer Auslandsreisen zu verzichten. Man sollte ihnen den Frieden und den Genuß dieses Heims nicht aus Mißgunst oder Mißverständnis vergällen.“

Wer sich hier für ein Darlehen von 10 000 bis 40 000 Mark, die sich Auszug oder Tod an die Erben gehen, ein Appartement sichert und zu einem Vollpensionspreis von 558 bis 120? Mark monatlich einzieht – der kauft einen enormen Service, unvergleichbar mit dem eines üblichen Altersheims. Überhaupt ist hier alles anders als in Altersheimen. Selbst das Wort Alter wird möglichst vermieden, und der Bundesgeschäftsführer der Lebensabend-Bewegung e. V. sprach bei der Gründungsfeier vom „dritten Leben“, das sinnvoll genutzt werden solle. Dazu empfahl er private Initiative: „Es kann und darf nicht nur Sache des Staates sein ...“ Und dieser Initiative sind auch schon Wege gewiesen worden.

„Aus dem hannoverschen Eilenriede-Stift, als einer Mitgliedseinrichtung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (DPWV) hervorgehend, ist jetzt eine gemeinnützige eingetragene Genossenschaft Gemeinschaft Deutsche Altershilfe‘ – GDA – entstanden“, erklärte Wolfgang Neubelt, Vorstandsmitglied eben dieser GDA. „Die Genossenschaft besteht aus Mitgliedern, die sich durch Erwerb eines Genossenschaftsanteils auf lange Sicht oder für sofort ein Wohnrecht in einem der Stifte des GDA sichern wollen. Zum anderen schließen sich der GDA große Mitgliederorganisationen (zum Beispiel aus den Bereichen des DPWV) oder auch Industrie- und Wirtschaftsunternehmungen an, die für ihre späteren Pensionäre langfristig einen Altersruhesitz disponieren.“

Da wird es bald neue Möglichkeiten geben: „Die GDA projektiert nach einem sorgfältigen Standortplan weitere Stifte, so im Raum Hamburg, am Bodensee, im Raum Bonn-Godesberg“, verheißt ein Prospekt. „Sie garantiert damit eines Tages ihren Stiftsbewohnern auch eine gewisse Freizügigkeit...“

„Wer aus gesundheitlichen Gründen daran zweifelt, daß so ein Stiftsplatz ein „Altwerden in Unabhängigkeit und Geborgenheit“ garantiert, der wird daran erinnert, daß sein Appartement auf jeden Fall eine Kapitalanlage darstellt, und zwar eine sichere. Die Mitgliedschaft im Wohlfahrtsverband verbürge „jene Sauberkeit des wirtschaftlichen Gebarens“, die der Kunde verlangen könne und die wiederum Anerkennung der Gemeinnützigkeit bedeute.

Mit dieser Anerkennung sind Steuererleichterungen verbunden. So konnte das hannoversche 35-Millionen-Objekt über Darlehen und Hypotheken ganz „normal“ ohne Zuschüsse finanziert werden. Dabei machte man sich allerdings zunutze, daß bei bekannter Sterbeziffer pro Jahr eine errechenbare Anzahl von Appartements frei werden muß – und tätigte Zweit- und Drittvermietungen.