Der Plpt klingt originell: Der Zeltverleiher Ewbank läßt auf dem Rasen vor seinem Haus ein großes Festzelt errichten, um – darin die Hochzeit seiner Töchter zu feiern. Der erste Akt des Stückes zeigt den Aufbau, der zweite die Ausstaffierung, der dritte den Abbau des Zeltes. Die Hochzeit selbst ist nicht zu sehen, sie „findet, statt“ in der Pause zwischen dem zweiten und dem dritten Akt.

Auf der Bühne vollzieht sich also ein Arbeitsvorgang, nicht realistisch, sondern real: das Zelt wird auf- und abgebaut, nicht als ob es ein richtiges wäre – es ist eins. Der Arbeitsvorgang, auf die Bühne versetzt, bekommt dabei den Gestus einer Demonstration: Es wird nicht nur gearbeitet, sondern es wird gearbeitet, damit man zuschauen kann. Storeys Grundeinfall, das unversehrte Einbringen von Realität in eine Spielanordnung, läßt also Einblicke erwarten, Einsichten in das, was Arbeit ist: Interaktion zwischen Mensch und Material, die, in einem dialektischen Prozeß, beide aufeinander bezieht und beide einander wechselseitig sich verändern läßt.

Ein Stück, das solches leistete, wäre ein aufregendes, ein wichtiges neues Stück. Leider hat David Storey es nicht geschrieben. Sondern: der Arbeitsvorgang ist lediglich eine dramaturgische Hilfskonstruktion, um ein ganz konventionelles Spektakel aufzuputzen, um ein sogenanntes analytisches Figurendrama in Gang zu setzen. Nicht daß die einen arbeiten und die anderen über das Produkt dieser Arbeit verfügen, wird, für Figuren, Sprache und Situationen konstitutiv – sondern eine konkrete gesellschaftliche Situation wird als Staffage benutzt, um Belanglosigkeiten auseinanderzupflücken und dann schnurstracks auf das sogenannte Allgemeinmenschliche loszugehen. (Die einzige „Einsicht“, die das Stück über den Gegenstand liefert, den es auf die Bühne stellt, ist die: daß der Arbeitgeber die Arbeiter während der Arbeit in den Hintern tritt und ihnen hinterher ein Glas Sekt zu trinken gibt.) Und nicht die konkrete Dramaturgie des Arbeitsprozesses strukturiert das Spiel – sondern verrottete Theaterschablonen werden jenem übergestülpt: immer wenn der Autor Figuren zum Knüpfen oder Lösen eines „dramatischen Knotens“ zusammenführen will, dann unterbricht er den Auf- und Abbau, verbannt die überflüssigen Figuren hinter die Bühne, um sie dann, gewissermaßen auf Stichwort, wieder auftreten und weiterarbeiten zu lassen.

Also: ein verschenkter Stoff. Die Kölner Inszenierung von Eberhard Pieper, die sich völlig auf Storeys dramaturgische Konventionen einläßt, macht die Belanglosigkeit des Stückes vollends sichtbar: Die Arbeiter bleiben reduziert auf platte Verhaltensstereotype (einer ist bieder, einer grobschlächtig, einer immer lustig), die Alten auf nostalgische Sentimentalitäten, die Jungen auf beziehungs- und funktionsloses Herumstehen, der Unternehmer auf polterndes Antreibertum. Die einzige interessante Figur: der Glenny von Oswald Fuchs, ein liebenswerter, komischer Trottel, der hinter der runden Kindlichkeit ganz verletzlich ist. Völker Canaris