Es war der ehemalige Finanzminister Strauß, der, offenbar von Paris inspiriert, den Gedanken einer Zusammenlegung des Finanz- und Wirtschaftsministeriums zu einem Superministerium propagierte. Seit zwei Sozialdemokraten mit wechselnden Erfolgen in beiden Häusern regieren und nicht eben selten unter Beschuß stehen, reißen die Gerüchte über ein bevorstehendes Kabinettsrevirement und eine dabei geplante Addition beider Ministerien nicht ab. Als neuer Superminister stehe Helmut Schmidt bereits Gewehr bei Fuß, heißt es.

Schmidt konnte in den vergangenen Monaten im Gegensatz zu Schiller und Möller mehr Plusals Minuspunkte sammeln. Konjunkturgerechtes Haushaltsverhalten zeichnet ihn aus, Dynamik und Rückhalt in seiner Fraktion wird ihm niemand absprechen. Das Argument, einen solchen Mammutapparat wie ein vereinigtes Finanz- und Wirtschaftsministerium schlecht lenken zu können, könnte Schmidt mit dem Hinweis entkräften, sein Haus sei personalmäßig (3900 Beamte, Angestellte und Arbeiter) längst größer als die beiden anderen Ministerien zusammengenommen (3450 Mitarbeiter).

Freilich, administrativ und politisch würde ein solches Superministerium alles andere in den Schatten stellen. Es hätte einen innenpolitischen Stellenwert, der die Frage aufwerfen würde, inwieweit solche Ressortmacht noch mit der im Grundgesetz verankerten Richtlinienkompetenz des Kanzlers zu vereinbaren ist. Daß ein Bundeskanzler Brandt sich zu einer Zusammenlegung entschließen könnte, erscheint schon deshalb unwahrscheinlich. Unwahrscheinlich wäre auch die Zustimmung der FDP.

Dem Koalitionspartner sind wie dem Kanzler Rivalitäten zwischen den beiden Häusern immer noch lieber als die Machtzusammenballung in einer Hand. Vor allem würde es auch einem „Superminister“ kaum gelingen, den grundlegenden Zielkonflikt zwischen Wachstum und Stabilität angesichts der gegenwärtigen weltwirtschaftlichen Konstellation zu lösen. Schmidt, verglichen mit Schiller ein ökonomischer Laie, könnte sicherlich auch keine Wunder vollbringen. Gegen mehr Kooperation zwischen dem Finanz- und Wirtschaftsminister hätte indes niemand etwas einzuwenden. hff