Man weiß nicht, was man mehr bewundern soll: das amerikanische oder das russische Verfahren, Steine vom Mond zu holen. Man kann den beiderlei Grad der Bewunderung nicht abmessen.

Armstrong und Aldrin, die ersten Menschen, die den Mond betraten, waren Helden; „Luna 16“ war eine Maschine. Hätten die ersten Mondwanderer ihr Leben lassen müssen, die Erschütterung wäre weltweit spürbar gewesen. Wäre die russische Mondsonde kaputt gegangen, na, – wenn schon!

Hätte mich übrigens jemand gefragt, welchem Volkscharakter ich welche Methode, Mondsteine zu holen, zugetraut hätte, so wäre ich wohl glatt in die Irre gegangen: Die Russen, so hätte ich gesagt, gehen persönlich hin, koste es, was es wolle, und sagen: „Steinchen, Steinchen!“ und sammeln auf, was sie kriegen können. Nicht so die Amerikaner: Modern und wohlgenährt, wie sie sind, bleiben sie in Sessel sitzen und lassen die Automaten arbeiten.

Jetzt ist es genau umgekehrt gewesen. Wie ihre Vorfahren sich in den Sattel schwangen, um den Wilden Westen zu erobern, so schwangen sich die Amerikaner in den Satelliten, und heißa: auf zum Mond. Die russische Methode hingegen ging stiller vor sich; sie paßt besser zu dem Kosewort das Klopstock für den Mond erfand: „Gedankenfreund‘. Wenn auch vermutlich die intellektuelle Leistung in beiden Fällen gleich groß war: die Konstruktion der Flugkörper, die Berechnung der Flugbahnen, die Fernsteuerung und die Auslösung mechanischer Vorgänge, so wird man die Frage „Mit oder ohne Astronauten?“ nicht zuletzt nach Lust, Laune und Sympathie beantworten können.

Wozu soll ich selber etwas tun, was durch einen Apparat erledigt werden kann? Warum soll ich mit dem Schäufelchen an der Mondkruste kratzen, wenn mir eine Mond-Kratz-Maschine zur Verfügung steht? Maschinen, statt sich selber, einzusetzen, ist so herrlich gefahrlos, daß man dieses Verfahren gar nicht oft genug verwenden kann. Heute im Mond, morgen auf dem Mars, übermorgen vielleicht schon auf Erden. (Wir brauchten in Kriegen nicht selber zu sterben; wir ließen das die Maschinen untereinander austragen; und was derlei Sachen mehr sind.)

Als Karl Valentin, der Münchner Humorist, der große Angst vor Flugzeugen hatte, vernahm, daß ein solches Ding zum ersten Male ferngesteuert wurde, rief er erlöst aus: „Gott sei Dank! Da brauchen die Leut’ net mehr selber fliegen!“ Lisi Karlstadt schwor, er habe es ganz ernst gemeint,

Und hat er nicht recht gehabt, der Valentin?