Die Bundesrepublik gewinnt die Europameisterschaft im Hockey

Von Helmut Zimmermann

Es ging um die erste offizielle Hockey-Europameisterschaft, doch während sieben von zehn Turniertagen galt das Interesse der führenden von 19 teilnehmenden Nationen im Brüsseler Heysel-Stadion erst in zweiter Linie dem Titelgewinn. Ihr Hauptaugenmerk richtete sich hingegen vornehmlich auf das Erreichen des Halbfinales, das gleichzeitig die Qualifikation für den ersten „Worldcup“ bedeutete. Deutschland, die Niederlande, Frankreich und Spanien erreichten schließlich das ersehnte Ziel nach durchweg sehr heiß umstrittenen Viertelfinalbegegnungen, von denen zwei sogar erst in der Verlängerung entschieden wurden. Das Niveau der meisten Spiele litt unter fehlender Klasse der beteiligten Spieler.

Das Turnier um den ersten „Europa-Becher“ ging am vergangenen Sonntag mit dem Finale zwischen der Bundesrepublik und Holland (3:1) zu Ende. Nur knappe fünf Monate später wird vom 10. bis zum 21. Februar 1971 im pakistanischen Lahore die Ermittlung des ersten echten Weltmeisters der Hockeygeschichte folgen. Und wiederum sechs Monate darauf ziehen vom 19. August bis zum 2. September 1971 auf den Plätzen des Ardmore Trainings College in Auckland (Neuseeland) auch die Hockeydamen mit ihrer ersten Weltmeisterschaft nach. Im lange Zeit als sehr konservativ geltenden Hockeylager scheint eine wahre Wettbewerbswut ausgebrochen zu sein.

Der Vorschlag zur Ausspielung eines echten Weltmeisters war im März 1969 auf der Pariser Tagung des „Conseils“ des Weltverbandes F.I.H. (Föderation Internationale de Hockey) von dem Pakistani Ali Iqtidar Shah Dara gemacht worden. Ein siebenköpfiger Ausschuß unter dem Vorsitz des Österreichers Dr. W. Klee wurde mit der Prüfung der Detailfragen betraut, und schon ein halbes Jahr später stimmten in Brüssel 21 Conseil-Mitglieder (bei keiner Gegenstimme und vier Enthaltungen) der Einführung des inzwischen bereits in Form eines Hockeystocks aus massivem Gold vom Pakistanischen Hockey-Verband gestifteten „World Cups“ zu.

Zurückhaltung zeigte damals vor allem Paul Reinberg (Hamburg), Ehrenpräsident des Deutschen Hockey-Bundes und langjähriges Conseil-Mitglied. Er fürchte, so führte er aus, daß sich das Spitzenhockey schon bald ausschließlich im Wettbewerb erschöpfen und somit keine Zeit mehr zu freundschaftlichen Begegnungen bleiben würde. F.I.H.-Präsident René Frank (Brüssel) entgegnete lakonisch, für niemand bestünde schließlich eine Verpflichtung, zur Teilnahme,

Bedenken gegen die steigende Wettbewerbsfreudigkeit äußerte kürzlich auch DHB-Vizepräsident Eberhard Nöller (Bonn). Im Fachorgan „Hockey“ warnte er davor, „in der restlosen Ausschöpfung der Meisterschafts- und Pokalmöglichkeiten das alleinige oder das entscheidende Mittel zu sehen, unseren Hockey-Sport publikumswirksam zu machen und ihm neue Kräfte zuzuführen“.