Frankfurt Bis zum 28. Oktober, Frankfurter Kunstkabinett: „Magischer Realismus in Spanien heute“

Sieben Künstler aus Spanien, die meisten sind Professoren an der Escuela de Artes y Oficios in Madrid, Leute, die Kunst und Politik auseinanderhalten, die das System nicht verherrlichen und nicht bekämpfen, sieben Männer und Frauen, die alle miteinander verwandt oder verschwägert sind, Francisco Lopez ist mit Isabel Quintanilla verheiratet, Maria Moreno mit Antonio Lopez Garcia, Julio Hernandez ist der Bruder von Francisco Lopez und so weiter. Ihren ersten Auftritt (ohne die Bildhauer) hatte die Gruppe in Darmstadt auf der III. Internationale der Zeichnung. Ein Erfolg für die Spanier, die sich den Amerikanern auf dem Gebiet des Neuen Realismus, auf dem sie bisher dominiert hatten, durchaus gewachsen zeigten.

In Frankfurt präsentiert sich der spanische Realismus sehr viel schwächer und, dank der Teilnahme von Hernandez, viel besser als in Darmstadt. Hernandez, der 1968 bei den „Menschenbildern“ in Darmstadt debütierte, ist die überragende Figur unter den spanischen Realisten. Thematisch wird ungefähr das gleiche geboten wie bei Segal, Trivialität, Situationen, die nichts Besonderes, nichts Auffälliges hergeben, Leute in der Metro „Linea Tetuan-Vallecas“. Aber die Szene wird nicht in Gips bandagiert. Hernandez arbeitet in Bronze, mit den Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Er ist nicht dem Zwang der Faktizität unterworfen, er inszeniert den Vorgang, die Realität bleibt fiktiv. Auch in seiner letzten und besten Arbeit „Kunstschule fünf Uhr nachmittags“. Im übrigen ist der Realismus in Spanien ebenso vieldeutig und vage wie anderswo. Man sieht in Frankfurt exzellente Interieurs von Isabel Quintanilla, die in ihrer kühlen, prägnanten Diktion an die Neue Sachlichkeit der 20er Jahre anknüpfen, und sentimentale Dorfidylle, akademisch gezeichnete Liebespaare und impressionistisch verschwimmende Schreibmaschinen, auch das Motiv der Schreibmaschine garantiert, trotz Klapheck, keine Zeitnähe und keinen Realismus.

Köln Bis zum 10. Oktober, Galerie Gmurzynska: „Pol Mara“

Belgiens Beitrag zur Neuen Figuration. „Dasselbe Mädchen, 4mal“ und „Denkmal eines Augenblicks“. Pol Mara kombiniert das klischierte Mädchen mit anderen Klischees von Schöner Wohnen und Schöner Leben, Mädchen am Strand, im Schlafzimmer, am Fenster, „Mit zwei zusammenbleiben“, das „Duo Environment“. Ein bißchen Sex, aber nicht so brutal wie Wesselmann, ein bißchen Musik, eine Zigarette, wenn man allein ist. Pol Mara ist auf die klischierte Wirklichkeit fixiert, er bringt die Dinge mit malerischem Geschmack ins Bild, und gerade weil er selber nicht Stellung bezieht, kommt er zu soziologisch relevanten Aussagen. Gottfried Sello

Weiterhin im Programm:

Bonn Bis zum 1. November, Städtische Kunstsammlungen und Rheinisches Landesmuseum: „Prisma 70“