In eigens errichteten Hallen vergammeln seit über vier Jahren nahe dem Hafen Saigon Maschinen aus bundesdeutscher Kapitalhilfe. Ursprünglich für den Bau des Chemiekombinats Nong Son in An Hoa im nördlichen Südvietnam.bestimmt, blieb von den Investitionsgütern aus einem 50-Millionen-Mark-Kredit der Bundesregierung nur der Schrottwert. Der Krieg hatte einen Strich durch die deutsch-französisch-südvietnamesische Entwicklungsrechnung gemacht (auch die Franzosen sind mit einem 55-Millionen-Mark-Darlehen beteiligt).

Aus An Hoa zogen Bonns Entwicklungshelfer keine Lehre. Nachdem die Maschinen für Nong Son bereits ein Jahr eingelagert waren, wagte man sich 1967 noch einmal – diesmal mit einem 11-Millionen-Mark-Darlehen – nach Südvietnam. Ein moderner Schlachthof sollte die Bevölkerung Saigons mit Fleisch versorgen.

Bonns Großmut wurde von Seiten der Vietnamesen nicht belohnt. Wegen innenpolitischer Schwierigkeiten sahen sie sich außerstande, die laut Vertrag zugesicherten Partnerschaftsleistungen zu erfüllen.

Aus der Sackgasse der technischen Hilfe hatte Bonn 1968 einen Ausweg gefunden: Man stieg einfach auf „humanitäre Hilfe“ um. Seither werden jährlich 30 Millionen Mark für die Helgoland, für den Bau eines Nachfolgekrankenhauses für das Lazarettschiff in Da Nang, für Kinderheime und für Flüchtlingsbetreuung ausgegeben.

Ende Juli dieses Jahres mußte die Bundesregierung allerdings noch weitere drei Millionen Mark für das mißglückte Schlachthofprojekt ausgeben. Die Vietnamesen forderten die Millionen für die sachgerechte Lagerung der Schlachtbänke.

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