Performance“ kommt gerade rechtzeitig zur Europa-Tournee der Rolling Stones und zum Vergleich mit dem anderen Mick-Jagger-Film, Tony Richardsons „Kelly der Bandit“, der eine Moritat aus dem irischen Freiheitskampf ist: aus dem Clan und in die Wälder treibt es den etwas tumben und tapferen Sproß der Kelly-Sippe, und am Galgen schließlich stirbt er „wie ein Kelly“ – Mick Jagger hat selber vor dem Film gewarnt.

Mick Jagger auf der Bühne: ein zappelnder, zuckender Derwisch, aufreizend, bizarr – aber nur ein gut trainierter Dressurakt, kalte Ekstase. Mick Jagger in „Performance“: weicher, zurückhaltender, und doch von einer nicht geringeren sinnlichen, ja erotisierenden Präsenz.

Was an der neuen Stones-Tournee verärgert: die Rückkehr ins gute alte Showbusiness, der Bühnenbildflitter, die farbigen, permanent rotierenden Spotlights, die raffinierte Perfektion in Jaggers Aktionen. Was an „Performance“ gefällt: daß hier ein Showstar sich immer gleichsam neben seine Rolle stellt und sagt: Ich spiele jetzt mal diesen Turner; daß er selbst die unzweideutigen Hinweise auf die geforderte Selbstdarstellung noch augenzwinkernd zum Zitat, zur Rolle macht.

Der Inhalt: Chas, ein aalglatter, geschniegelter Edelgangster (James Fox), bekommt Schwierigkeiten mit seinem Syndikat; als Artist getarnt sucht er Unterschlupf in der Villa des ehemaligen Showstars Turner, wird aber von seinen Komplizen entdeckt und zur Rechenschaft gezogen.

Der erste Teil des Films, halb Thriller, halb Krimigroteske, ist ein schwer erträglicher Schnittsalat. Der Film beginnt im Grunde erst, wenn der Flüchtling in Turners Haus kommt, und ab hier folgt seine Dramaturgie präzise der Logik eines Trips: Realität und Halluzinationen schieben sich ineinander, klare, die Handlung vorantreibende Phasen wechseln mit imaginierten, phantastischen, und Chas verliert nach und nach nicht nur sein Bewußtsein, seinen Willen, sondern am Ende auch seine Identität.

Turner lebt zurückgezogen nur mit zwei Gespielinnen in seinem wie ein psychedelisches Spukschloß hergerichteten Haus: ein melancholischer Luzifer, Hohepriester in einem von Sex, Drogen und Musik bestimmten Klima, resigniert, todessüchtig und aggressiv.

Chas ist in ein verwirrendes Reich hermaphroditischer Wesen geraten: Gruppensex mit vertauschten Rollen; ein kleiner Junge, der ihm manchmal Tee bringt, könnte auch ein Mädchen. sein; das Mädchen Lucy (Michele Breton), hager und sommersprossig, „etwas unterentwickelt“, „könnte mit einem Jungen verwechselt werden“, und Turner läßt sich wie ein Mädchen schminken, er ist „ein männlicher und ein weiblicher Mann...“