Die westdeutschen katholischen Bischöfe haben ihr Selbstbewußtsein wiedergefunden. Mit kaum erwarteter Deutlichkeit machten sie in der vergangenen Woche ihren Anspruch auf kollegiale Mitsprache und Eigenverantwortlichkeit geltend, als sie bei der Formulierung einer „Durchführungsverordnung“ auch die letzten Möglichkeiten ausnutzten, die Papst Paul VI. zwischen den Zeilen seines Mischehendekrets „Matrimonia mixta“ versteckt hatte.

Das höchste Lehramt hatte damals im Mai gemischtkonfessionellen Paaren immer noch zur Auflage gemacht, eine Dispens vom prinzipiellen Eheverbot beim zuständigen Bischof einzuholen. Die Bischöfe reichten jetzt die Vollmacht an die Pfarrer weiter; eine Dispens kann faktisch nicht mehr verweigert werden. Selbst eine Befreiung von der „Formpflicht“, der Eheschließung vor einem katholischen Geistlichen, und den „Kautelen“ der schriftlichen Verpflichtung, die Kinder katholisch zu erziehen, ist jetzt gewährleistet. Die „erheblichen Schwierigkeiten“, die Paul VI. noch voraussetzte, bevor er von der Formpflicht und den Kautelen dispensierte, sind nunmehr durch die bloße Willenserklärung gegeben, irgendeine andere Trauung, etwa die standesamtliche, als „die Ehe begründend“ anzuerkennen. Ehen, die nach früherem Recht unerlaubt oder ungültig waren, werden jetzt als „gesund“ anerkannt.

Die Bischöfe haben sich darauf besonnen, daß die Gläubigen von ihnen „tiefgreifende Hilfen“ erwarten. Ihr Mut wird eine Reihe übler Diskriminierungen abbauen und neue verhindern und so das ökumenische Klima verbessern. Optimisten hoffen sogar auf „tiefgreifende Hilfen“ in den Fragen zu Liturgie und Dogmatik, zur Eherechtsreform und zur Verwendung kirchlicher Finanzen, zu Zölibat und zur Freiheit der theologischen Forschung und Lehre. H. J. H.