Adam auf dem Wege zu sich selber, Subjekt und Objekt einer Untersuchung, die sich auf der autobiographischen und der archetypischen Ebene abspielt, die darauf zielt, die Dualität von "Ich" und "Es" zu überwinden. Adam trägt immer und unverkennbar die Züge des Malers Rudolf Hausner. Aber die "innere Odyssee" ins Unterbewußtsein ist keine Privatreise, sondern ein Gesellschaftsunternehmen: Adam ist auch Jedermann, ein Zeitmodell, eine Identifikationsofferte.

Hausners Weg beginnt mit dem "Forum der einwärts gewendeten Optik". Bei dem "Forum der auswärts gewendeten Optik" von 1970 endet die Monographie, die das bisherige Gesamtwerk dokumentiert –

Wieland Schmied: "Rudolf Hausner"; Verlag Galerie Welz, Salzburg; 160 S. mit 50 farb. und 30 Schwarzweißabb., 85,– DM.

Es ist ein ungewöhnlich schmales Œuvre. Der Werkkatalog verzeichnet 54 Gemälde aus 24 Jahren, einschließlich der von Hausner zerstörten und einiger verschollener Bilder. Hausner braucht Monate, wo andre mit Stunden auskommen. Das ist zunächst ein rein technisches Problem. Er arbeitet mit Lasuren, die in vielen Schichten übereinanderliegen und am Ende den bekannten Hausner-Effekt ergeben, diese unglaublich heftige und ebenso nuancierte Farbigkeit. Dazu kommt eine Prägnanz im Detail, die eine geistige, keine technische Entscheidung bedeutet: Jede vage, nebulöse Formulierung würde die Glaubwürdigkeit der Dinge, ihre psychische Realität in Frage stellen. Die Erhellung und Aufklärung komplizierter seelischer Prozesse, die Darstellung der Relation zwischen den Erscheinungen der inneren und der äußeren Welt setzt exakteste gegenständliche Beschreibung voraus.

Hausner-Bilder malen sich nicht von selbst, er distanziert sich von der surrealistischen Methode des psychischen Automatismus, die Odyssee ins Unterbewußtsein geschieht nach Plan. Hausner, schreibt Wieland Schmied, hat keine "Vision", er "kennt sein Bild nicht, wenn er beginnt. Er gehört zu den Künstlern, die ihr Bild erfahren". Bei seinem fundierten Versuch, Hausner gegen den Surrealismus abzugrenzen, kann Wieland Schmied sich auf Hausner berufen: "Von den klassischen Surrealisten trennt mich ihr exklusives Interesse am Unbewußten, während mich Ratio und Logik ebenso faszinieren."

Hausner wurde bisher vor allem als ein Vertreter und Initiator der Wiener Schuledes Phantastischen Realismus gesehen und klassifiziert. In der neuen Hausner-Monographie ist davon glücklicherweise nicht mehr die Rede. Wenn es zur Zeit des österreichischen Art-Clubs tatsächlich eine Wiener Schule gegeben haben sollte, dann hat sie längst zu existieren aufgehört. Hausner, Fuchs, Hutter sind ihre eigenen Wege gegangen – es ist absurd, sie auf einen gemeinsamen Wiener Nenner bringen zu wollen. Und was den "Phantastischen Realismus" betrifft, so ist dieser unverbindliche, verschwommene Begriff für Hausners künstlerische Prägnanz, seinen Ernst, seine psychoanalytische Methodik denkbar ungeeignet. Wieland Schmied verzichtet darauf, Hausners Malerei neu zu etikettieren. Er bringt statt dessen ausführliche und exakt kontrollierbare Einzelanalysen der Bilder. Gottfried Sello