Steuernsparen wird heute groß und morgen noch größer geschrieben. Denn es besteht kein Zweifel, daß sich die ehrgeizigen Reformpläne der Bundesregierung auf die Dauer nur durch höhere Steuern finanzieren lassen. Dabei liegt es auf der Hand, daß es keine lineare Steuerhöhung geben wird, sondern eine, die der sozialistischen Optik besser entspricht.

Es ist deshalb kein Wunder, wenn die Groß-Steuerzahler intensiv auf der Suche nach Möglichkeiten sind, die Steuerlast legal zu vermindern. Und es ist auch kein Wunder, daß es clevere Geschäftemacher gibt, die aus den begreiflichen Steuersparwünschen einer breiten Bevölkerungsschicht klingende Münze zu schlagen versuchen.

Neuerdings sind auch die sogenannten Anlageberater (früher Investment-Verkäufer) dazu übergegangen, Abschreibungsobjekte im Rahmen ihrer Angebots-Palette zu verkaufen. Dadurch kommen Leute mit dieser Form von Vermögensanlage in Berührung, die sich vorher mit der hohen Kunst des Steuersparens noch nie befaßt haben – und die für faule Tricks naturgemäß besonders anfällig sind.

Aufklärung tut not. Deshalb werden wir uns, meine verehrten Leser, mit diesem Gebiet mehr als bisher beschäftigen müssen. Heute möchte ich Sie auf eine Aufklärungsschrift aufmerksam machen, die unter dem Titel „Vermögensbildung durch Sonderabschreibungen?“ von der Beratergemeinschaft Alster (Hamburg 39, Bellevue 50) herausgegeben worden ist. Wie ihre Herausgeber betonen, soll diese Broschüre nicht werben, sie will informieren, Begriffe zurechtrücken und zu kritischen Betrachtungen anregen.

Tatsächlich beleuchtet die Broschüre die Kehrseite der Sonderabschreibungen so deutlich, daß leicht der Eindruck entstehen könnte, steuerbegünstigte Kapitalanlagen seien letztlich uninteressant. Am Beispiel unseres Gespräches in der ZEIT Nr. 38 „Das Finanzamt finanziert Flugzeuge“ habe ich versucht, Ihnen deutlich zu machen, daß es auf diesem Gebiet durchaus lohnende Objekte gibt. Nur darf man auch auf diesem Gebiet nicht aufindividuelle Prüfungen verzichten.

Die Beratergemeinschaft stellt den Begriff „Safety first“ groß heraus. Und das mit Recht. Denn man muß sich doch fragen, warum der Staat für bestimmte Wirtschaftszweige steuerliche Präferenzen gewährt. Doch nur deshalb, so wird in der Broschüre festgehalten, weil der normale Kapitalstrom an Bereichen mit spezifischen Risiken wie Berlin, Zonengrenzland, Schiffahrt (Luftfahrt) und Entwicklungsländer sonst vorbeifließen würde.

Ein Abschreibungsobjekt kann nur so gut sein wie seine Träger. Deshalb hat sich der Anleger zu fragen: Wer sind diese Träger und wer sind die Initiatoren? Und wer hier forscht, wird oftmals sein blaues Wunder erleben. Haben die Träger Branchenerfahrung? Sind sie gut beleumdet? Engagieren sie sich selbst mit Kapital? Haben sie einen Namen zu verlieren? Bieten sie ihren Mitgesellschaftern einen sauberen Vertrag?