CDU-Parteisprecher Bergsdorf ist sich seiner Sache sicher: Der prominente Wirtschaftsjurist Professor Kurt H. Biedenkopf, ehemals Rektor der Bochumer Universität, CDU-Politiker ohne Mandat und Mitbestimmungsgutachter wird auch nach seinem Eintritt in die Düsseldorfer Waschmittelfirma Henkel GmbH der Partei erhalten bleiben. Bergsdorf zuversichtlich: „Er wird aus dem Geschäft der CDU nicht aussteigen. Ob. er nun in Waschmitteln macht oder was anderes, ist uns egal.“

Dem vor allem wegen seines Mitbestimmungsgutachtens bekannt gewordenen. Wirtschaftsprofessor war die Frage „Politik oder Industrie“ keineswegs egal. In einem Gespräch mit der ZEIT nannte Biedenkopf als Hauptargument für seine Entscheidung die Kluft zwischen Wissenschaft und Praxis.

Das künftige Mitglied der Henkel-Führungsmannschaft wird ordentlicher Geschäftsführer des Unternehmens mit den Schwerpunkten: Sozial- und Personalfragen, Unternehmeisordnung und Betriebsorganisation. Biedenkopf sieht seinem zukünftigen Job realistisch entgegen: „Ob ich das auf Dauer mache, kann man nicht sagen, das wissen beide Seiten nicht“, weder er noch die Henkels.

Er möchte „in der Praxis vollziehen, was ich bisher gelehrt habe“. Dies gilt vor allem für seine gesellschaftspolitischen Vorstellungen. „Man muß die Dinge mal von der anderen Seite gesehen haben.“

Daß manch einer „draußen“ seine Funktion in der Industrie als eine Abkehr von der Politik bezeichnet, will Biedenkopf nicht gelten lassen. Ihn mit 40 Jahren als „einen verlorenen Sohn“ zu apostrophieren, „das ist mir zu kurzfristig gedacht“.

Der Bochumer bestreitet, daß die Wirtschaft ihn damit als Politiker absorbiert habe, ebensowenig wie die Wirtschaft damit des Professors wirtschaftswissenschaftliche Ansichten absorbiert und neutralisiert hat, wie mancherorts orakelt wurde. Biedenkopf denkt nach eigener Aussage nicht daran, seine ordnungspolitischen Vorstellungen etwa über die Mißbrauchsaufsicht in der Wettbewerbspolitik, über Fusionskontrolle, die Biedenkopf durchaus in Grenzen befürwortet, oder gar sein Mitbestimmungsmodell aufzugeben, wenn er im anderen Lager steht. Er denkt daran, seine „Vorstellungen in der Praxis zu verwirklichen“.

Dies kommt einem Bekenntnis gleich, nach dem der Professor gewiß noch oft gefragt wird, wenn er erst einmal mitten im Geschäft des Management steht. Und da er mit seinen Ansichten auch gegenüber seinen künftigen Arbeitgebern nicht hinterm Berg gehalten hat, wie er selbst sagt, wäre immerhin denkbar, daß Biedenkopfs Antwort auf gesellschaftspolitische Alltagsfragen eines Tages die Form eines „Henkel-Modells“ annimmt, so abwegig dies heute auch noch erscheinen mag. hff