Bis zur nächsten Haushaltsrunde soll die Klimaverstimmung zwischen Koalition und Opposition bereinigt sein. Nachdem Kanzler Willi Brandt sich entschuldigte – CDU-Fraktionschef Rainer Barzel bescheinigte ihm dafür „Noblesse“ –, trat auch der SPD-Fraktionsvorsitzender Herbert Wehner den Rückzug an. Er klassifizierte seine Vokabel von den Inflations-,,Verbrechern“ als „wohl unangebracht“.

Hartnäckig halten sich Gerüchte über ein Kibinettsrevirement. Falls die Landtagswahlen in Hessen und Bayern für die SPD „schiefgehen“, müsse Brandt die Flucht nach vorn antreten. Als mögliche Opfer werden gleich zwei hochkarätige Namen genannt: Karl Schiller und Alex Möller. Der neue starke Mann soll dann Helmut Schmidt heißen. Doch: „Kein ernsthafter Mensch denkt daran, Helmut Schmidt zum Superminister für Wirtschaft und Finanzen zu machen“ kommentiert man im Kanzleramt das Gerede (siehe „Gerüchte“).

Überdies ist Karl Schiller wieder „im Kommen“. Die Fraktion laßt ihn in Ruhe, offenbar deshalb, weil sichtbar geworden ist, daß „Karl in allem so ziemlich recht behalten hat“.

Josef Ertl, Ernährungsminister und immer auf der Suche nach einer Verwendungsmöglichkeit für seine Agrarüberschüsse, fand offenbar ein Mittel gegen die Milchschwemme. Er schickte der Kanzlergattin Rut Brandt und den übrigen Ministerfrauen ein Schönheitsmittel (Hauptbestandteil Milch). Erika-Renate Leussink, Ehefrau des Wissenschaftsministers, dankte überschwenglich. Ihre neue Devise: „Milch innerlich und Milch äußerlich.“

Alex Möller reagierte etwas betroffen, weil ihm im Bonner Report Geiz im Umgang mit deutschen Botschaften nachgesagt wurde. Dabei liegt der „Schwarze Peter“ im Auswärtigen Amt. Mali-Botschafter Michael Jovy hatte geklagt, daß er in einer Kanzlei arbeiten müsse, die seine Ko- – legen an einen Krämerladen erinnert. Das Finanzministerium weist etwas pikiert darauf hin, daß die Planung des Neubaus am AA gescheitert ist und umgearbeitet werden mußte. Das gilt auch für den Dienstwagen des Senegal-Botschafters Rudolf Junges. Er erhält einen neuen Mercedes 220 inklusive Klimaanlage. Der alte Wagen wurde schon Anfang des Jahres ausgesondert – allerdings nur auf dem Papier. Denn trotz Neubestellung muß Junges noch mit der alten Klapperkiste fahren. Grund: Liefertermine.

Klimaanlagen in deutschen Dienstwagen sind übrigens nicht nur für Wüstenfahrten in Äquatornähe, sondern auch in Bonn der letzte Schrei. Nach Möller bekommt nun auch Karl Schiller einen Dienstwagen mit „Kühltruhe“. Er will Möller nun mal in nichts nachstehen.

Klaus-Dieter Arndt handelte sich Wehners Zorn ein. Grund: KDA plauderte allzu unbekümmert über die Unvermeidlichkeit von Preissteigerungen. Niemand dankte es ihm, daß er damit Schiller und Möller „aus der Schußlinie bringen wollte“. Als er zu bedenken gab, er habe seine „Darlegungen als Wissenschaftler und nicht als Fraktionssprecher gemacht“, schnaubte ein Fraktionskollege: „Was soll denn dieser Quatsch? Ob als Abgeordneter oder als Wissenschaftler – er hat der Opposition neue Munition geliefert.“