Von Marcel Reich-Ranicki

Die Kritiker haben ihn meist ignoriert. Sie wußten nicht recht, wie sie seine Bücher beurteilen und einordnen sollten. Es schien bedenklich, sie der ernsten Literatur zuzuschreiben; und es war unmöglich, sie ausschließlich als Trivialromane zu behandeln.

Die Kollegen haben ihn immer wieder verspottet, boshaft und herablassend. Denn sie konnten und wollten ihm alles verzeihen, nur nicht das, was ihnen schlechterdings unbegreiflich war – seinen Welterfolg.

Deutsche Nationalisten bekämpften ihn, deutsche Kommunisten hielten es für nötig, sich entschieden von ihm zu distanzieren. Denn die einen wie die anderen fürchteten den eminent politischen, den defätistischen Einfluß seiner frühen Bücher. Aber er selber gehörte nie zu den Kämpfern, und politischer Ehrgeiz war ihm vollkommen fremd.

So hatten alle ihre Sorgen mit ihm. Erich Maria Remarque aus Osnabrück hat es tatsächlich allen schwierig gemacht. Nur nicht den Lesern.

Er kam vom Journalismus, und es ist der Journalismus der Berliner Massenblätter der Weimarer Republik, der seinen Stil geprägt hat. 1966 sagte er in einem Interview, er sei ein „Direktschreiber“ – und das war er von Anfang an.

Mit dem Buch „Im Westen nichts Neues“ lieferte er dem Publikum Ende der zwanziger Jahre, worauf es damals – und nicht nur in Deutschland – gewartet hatte: jene Geschichte aus dem Alltag des Krieges, in der jeder seine eigenen Erfahrungen, Leiden und Gefühle wiedererkennen konnte.