Kaum waren die Detonationen auf dem „Flugplatz der Revolution“, einer Wüstenpiste nordöstlich von Amman, verhallt, lagen bei den Luftfahrtgesellschaften die Kündigungen der Versicherungen gegen Kriegsrisiken, die auch das Skyjacking, die Flugzeugentführung, einschließen, auf dem Tisch. Überraschend kamen die Kündigungen nicht, denn:

  • Versicherungen gegen Kriegsrisiken sind innerhalb von sieben Tagen kündbar;
  • die Zerstörung von vier Düsenmaschinen auf dem „revolution airstrip“ und in Kairo belasten die Versicherer mit 160 Millionen Mark, der höchsten Schadenssumme im Verkehrswesen seit dem Untergang des Luxusliners „Andrea Doria“.

Einen Tag vor Ablauf der Sieben-Tage-Frist traf von Lloyds bei der Lufthansa ein neues Angebot ein. Die Prämie für die Deckung des Kriegsrisikos bei der gesamten Lufthansa-Flotte war von Lloyds um das 35fache auf ein Prozent des Flottenwertes heraufgesetzt worden. Statt bisher 390 000 Mark muß die Lufthansa künftig als Prämie rund 80 Prozent des Konzerngewinns des letzten Jahres aufwenden: etwas mehr als 13 Millionen Mark. Der Vorstand akzeptierte sofort.

Dabei versichert Lloyds zwar die Düsenmaschinen bis zur Größe einer Boeing 707 zu 100 Prozent, die 747 – den Jumbo-Jet – jedoch nur zu 60 Prozent, denn immerhin kostet jeder dieser Riesenvögel runde 100 Millionen Mark. Trotz aller Bemühungen gelang es der Lufthansa lediglich, von den restlichen 40 Prozent 13 Prozent bei anderen europäischen Gesellschaften abzusichern.

Wie die Lufthansa bissen auch die anderen europäischen Luftfahrtgesellschaften – mit einer Ausnahme – in den sauren Apfel der stärksten Prämienerhöhung, die die Luftfahrt bisher erlebte. Bis zum israelischen Überfall auf den Zivilflughafen von Beirut im Dezember 1968, bei dem 13 Flugzeuge in Flammen aufgingen, war das Risiko gegen Krieg und Entführung in der normalen Kaskoversicherung enthalten, obwohl schon vorher zwei Maschinen entführt worden waren. Bislang jedoch war die Prämie für das gesonderte Kriegsrisiko bescheiden. Lediglich beim pakistanisch-indischen Konflikt waren die Raten für kurze Zeit erhöht worden.

Am schwersten werden von der Prämienerhöhung die amerikanischen Fluggesellschaften betroffen. Dort haben die privaten Versicherer jetzt zwar nur das Zehn- bis Fünfzehnfache der bisherigen Prämien gefordert. Da aber die Sätze bisher schon über denen der europäischen Versicherer lagen, müssen sie als Prämie bis zu 1,5 Prozent des Flottenwertes entrichten.

Für die PanAm – nach der nur in Amerika fliegenden United Airlines die größte Fluggesellschaft – bedeutet die Anhebung der Versicherungsprämien nach den Terroranschlägen im Nahen Osten eine jährliche Ausgabe von 40 bis 55 Millionen Mark. Dabei hat die Regierung bereits ein Angebot gemacht, das nicht gedeckte Risiko bei den 24 PanAm-Jumbo-Jets zu einer Prämie abzusichern, die nur ein Fünftel der Forderungen privater Versicherer beträgt. Die Ausgabe fällt der PanAm um so schwerer, als die ersten acht Monate dieses Jahres schon einen Verlust von 43,5 Millionen Mark brachten.