Die Einbringung des Bundeshaushaltes 1971 begann mit einer heftigen Auseinandersetzung um eine Äußerung von Bundesfinanzminister Alex Möller. Nach zahlreichen Zwischenrufen der Opposition, er betreibe eine inflationistische Haushaltspolitik, sagte Möller abweichend von seinem Manuskript: „Die, die diese Weltkriege und die darauffolgenden Inflationen zu verantworten haben, stehen Ihnen geistig näher als der SPD.“ Die Unionsparteien verließen den Saal und forderten Möller auf, diese Bemerkung zurückzunehmen. Der Minister weigerte sich.

Eine Erklärung Möllers am folgenden Tage, er habe niemanden aus der CDU/CSU in die Nähe des Nationalsozialismus rücken wollen, erschien der Opposition unzureichend. Sie verlangte den Rücktritt Möllers, da er sich „als Demokrat disqualifiziert“ habe.

Auch Bundeskanzler Brandt gelang es nicht, die Wogen zu glätten, obwohl er zugab, daß sein Wort von der „Volksverhetzung“ für die Oppositionskritik an der Geldentwertung „scheußlich“ sei. Im Rundfunk milderte auch SPD-Fraktionschef Wehner sein Wort von den „Verbrechern“, die die Inflationsangst schürten, ab.

In der sachlichen Beurteilung der Konjunktur- und Haushaltspolitik waren die gegensätzlichen Auffassungen ebenfalls nicht zu überbrücken. Die Union bezeichnete trotz der Versicherung Möllers, man werde zu gegebener Zeit den Haushalt und die konjunkturelle Lage überprüfen, die Ausgaben als zu hoch. Dagegen verteidigte die Regierung den 100-Milliarden-Etat mit der Dringlichkeit anstehender Reformen.