Obwohl sich – ausgehend von den USA – auch auf dem deutschen Kapitalmarkt ein gewisser Zinsoptimismus regt (das Ergebnis der Zentralbankratsitzung war bei Redaktionsschluß noch nicht bekannt), scheuen Unternehmen vom Rang der Farbwerke Hoechst nicht, sich schon jetzt ein Schuldscheindarlehen mit einem Zinssatz von 8 1/2 Prozent zu sichern, obwohl das Geld erst im kommenden Jahr gebraucht wird. Deutlicher kann nicht dokumentiert werden, daß man in den nächsten Monaten noch nicht mit einem spürbar sinkenden Kapitalzins rechnet.

Wenn man in Anlegerkreisen dennoch diesen Schritt der Farbwerke Hoechst wohlgefällig aufgenommen hat, dann war man erleichtert darüber, daß Hoechst in absehbarer Zeit keine jungen Aktien (oder eine Wandel- beziehungsweise Optionsanleihe) auflegen wird.

Mit ihrer Kapitalerhöhung hat die BASF nämlich dem Kapitalmarkt eine harte Nuß zu knacken gegeben. Der Ausgabekurs von 115 Mark je 50-Mark-Aktie bei einem Aktienkurs von etwa 156 Mark ist ohne Zweifel sehr stolz. Auf Basis des gegenwärtigen Kurses ergibt sich ein rechnerischer Bezugsrechtwert von etwa 2 Mark. Oder anders ausgedrückt: Wenn sich jemand junge BASF-Aktien über Bezugsrechte kauft, ergibt sich bei Beibehaltung einer Dividende von 11 Mark auch für 1971 eine Barrendite von annähernd 7,6 Prozent. Es fehlen damit nur noch rund 0,9 Prozent am Rentenzins. Damit ist die BASF-Aktie – immer vorausgesetzt, daß die Gesellschaft in der Lage sein wird, ihre Dividende von 11 Prozent aufrechtzuerhalten – ein Rentenpapier mit „Besserungsschein“ geworden. K. W.