Der überraschende Vorschlag des jugoslawischen Staatschefs, Marschall Tito, die oberste Leitung des Staates einem mehrköpfigen Gremium zu übertragen (siehe Dokumente der ZEIT), hat in Jugoslawien wie ein Paukenschlag gewirkt. Die Rede in Zagreb wirft ein Licht auf die heftigen inneren, wenn auch meist finanz- und wirtschaftspolitischen Gegensätze der aus sechs Teilstaaten und zwei autonomen Provinzen bestehenden Sozialistischen Bundesrepublik Jugoslawien, die angesichts der immer noch ungelösten Nachfolgefrage – Tito ist zwar gesund, aber 78 Jahre alt – besondere Bedeutung gewonnen haben.

Nach den Vorstellungen des Marschalls sollten zwei bis drei Vertreter jeder Republik beziehungsweise Provinz sowie Repräsentanten der wichtigsten gesellschaftspolitischen Organisationen eine Präsidentschaft bilden und Funktionen des Bundesexekutivrates, der Bundesregierung, übernehmen. Der Exekutivrat würde dann zu einer wirklichen Regierung mit voller Verantwortlichkeit umgebildet, aber stärker als bisher vom Bundesparlament abhängen.

Eine solche Konstruktion könnte den Wunsch der Gliedstaaten Jugoslawiens nach voller Gleichberechtigung erfüllen und ein Auseinanderbrechen des Staates verhindern, das – nach Titos eigenen Worten – viele Kommunisten bei seinem Tode befürchten. Obwohl der Marschall in seiner frei gehaltenen Rede nicht auf Einzelheiten einging, ließ sich seinen Worten entnehmen, daß das Ergebnis eine Straffung der Führung sein solle.