Die beiden letzten Kriege im Nahen Osten waren ein Geschenk des Himmels für die griechischen Obristen. Der Sechtstagekonflikt im Juni 1967, einen Monat nach dem Athener Putsch, hat der Militärdiktatur vermutlich das Leben gerettet. Und der jordanische Bürgerkrieg hat ihr schneller als erwartet zu den langentbehrten, heißbegehrten amerikanischen Waffen verholfen. Gemessen an der Staatsräson der Vereinigten Staaten und an den Bedürfnissen der Nato scheint nun alles in bester Ordnung zu sein. Was Franco recht, kann Papadopoulos nur billig sein.

Das amerikanische Waffenembargo war von Anfang an eine Farce gewesen. Aus den widerstreitenden Interessen von State Department, Pentagon und CIA entstand ein fauler Kompromiß: Den Obristen wurde alles vorenthalten, was sie als Nato-Verbündete brauchten: Panzer, Düsenjäger, Hubschrauber, Kanonen, und alles weitergeliefert, womit sie ihr Volk in Schach halten konnten: Handfeuerwaffen, Jeeps und Mannschaftswagen. Getrost konnte das Militärregime den Boykott des Europarats über sich ergehen lassen.

Eingedenk jener Senatoren, die sich an die Diktatur im Mutterland der Demokratie nicht gewöhnen können, hat sich Präsident Nixon einen Abstecher nach Athen versagt. Dafür reisen Verteidigungsminister Laird und Admiral Mooren Die Obristen brauchen nicht einmal mehr um gut Wetter zu bitten, denn das State Department hat ihnen gratis bescheinigt, daß sie die Weichen für eine Rückkehr zur Demokratie bereits gestellt haben.

Wie es in Wirklichkeit um Griechenland bestellt ist, hat dieser Tage der ehemalige griechische Außenminister Averoff – beileibe kein Kommunist, sondern ein Konservativer – den Amerikanern ins Stammbuch geschrieben: „Zwar haben sich die Verhältnisse in der Tat verbessert, zwar leben wir unter einer milden Form der Diktatur, aber – die bürgerlichen Freiheiten sind nicht wiederhergestellt worden, die menschliche Würde wird weiterhin mit Füßen getreten.“

K. H. J.