Der blutige Bürgerkrieg in Jordanien ist vorläufig beendet. Trotz widersprüchlicher Berichte über einzelne weitere Gefechte schienen sich Regierungstruppen und Freischärler an das Waffenstillstandsabkommen zu halten, das am Freitag durch Vermittlung des sudanesischen Staatschefs el Numeiri zwischen Yassir Arafat, dem Chef der Palästinenser, und König Hussein zustande gekommen war.

Das Abkommen wurde durch den Rücktritt der jordanischen Militärregierung unter Ministerpräsident Daoud ermöglicht, der aus seinem Hotel in Kairo verschwand und angeblich in Libyen um Asyl nachgesucht hat. Daoud hatte sich in Kairo zu Gesprächen mit arabischen Staatschefs aufgehalten. Hussein bildete am Wochenende ein „Kabinett der nationalen Aussöhnung“ unter dem Palästinenser Achmed Toukan, das von den Fedayin scharf abgelehnt wird.

Über die militärische Lage läßt sich kein klares Bild gewinnen. Offenbar konnten die Regierungstruppen mit Hilfe der Luftwaffe die eingedrungenen Syrer über die Grenzen zurückwerfen. Während in Amman keine Seite die Überhand gewann, mußten die Freischärler nach schweren Kämpfen den größten Teil des Landes räumen und sich nach Norden zurückziehen.

Beide Seiten stehen sich weiterhin unversöhnlich gegenüber. Libyen und Tunesien brachen die diplomatischen Beziehungen zu Amman ab. König Hussein, der am Sonntag nach Kairo gereist war, wurde von den meisten der dort versammelten arabischen Staatschefs beschuldigt, auf die völlige Vernichtung der Freischärler hinzuarbeiten. Eine Aussprache zwischen Hussein und Arafat, die sich in Kairo zum erstenmal seit Ausbruch der Feindseligkeiten trafen, brachte keine Annäherung der Standpunkte.

In Jordanien herrschte am Tage nach Nassers Tod erstmals völlige Waffenruhe. Eine dreiköpfige arabische Kommission überwacht die Einhaltung des Vertrages, der beiden Seiten kollektive Sanktionen im Falle einer Verletzung androht. Für das zerstörte Land ist eine umfangreiche internationale Hilfsaktion angelaufen.

Nach Beendigung der Kämpfe wurden auch die letzten festgehaltenen Flugzeuggeiseln freigelassen. 48 Passagiere und Besatzungsmitglieder der entführten Maschinen trafen in Zypern ein. Sechs Amerikaner wurden dem Internationalen Roten Kreuz in Amman übergeben.