Diskussion auf dem Gynäkologen-Kongreß

Von Angelika Haas

Soll die Abtreibung der Leibesfrucht in Deutschland erlaubt werden? Wann beginnt das individuelle Leben? Diese Fragen beschäftigten den 38. Gynäkologenkongreß in Hamburg. Zunächst hatte Professor Hans Dietel, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie, auf der Mitgliederversammlung in Hamburg den Fragebogen des Bundesministeriums für Justiz verlesen. Das Ministerium hatte gebeten, die Gynäkologen mit den um die Schwangerschaftsunterbrechung kreisenden Problemen zu konfrontieren, um so eine Grundlage für den weiteren Meinungsaustausch zu schaffen.

Gezielt tropften die Fragen, doch höhlten sie den Stein nicht, und sie werden ihn, so scheint es, auch in Zukunft nicht höhlen.

Der Katalog, umfangreich genug, um Diskussionsmaterial für die nächsten fünfzehn Jahre zu liefern, impliziert die Möglichkeit einer Schwangerschaftsunterbrechung. So fragt man an, ob eine Interruptio vor dem dritten Monat zulässig sei, wenn die Schwangere eine Beratungsstelle aufgesucht hat. Man fragt, ob ein solcher Eingriff indiziert ist, wenn mit Sicherheit ein geschädigtes Kind geboren wird, die Gravidität aus einer Vergewaltigung entstand oder die Gravide jünger als fünfzehn Jahre ist. Man will wissen, ob neben der medizinischen Indikation auch die Lebensumstände der Graviden zu berücksichtigen sind, ob ferner soziale Indikationen wie Pflege kranker Angehöriger oder Versorgung minderjähriger Kinder und andere ähnlich schwere Umstände in Frage kommen.

Doch alle diese Fragen wurden kaum erörtert. Der Gynäkologen-Kongreß verschanzte sich hinter einer Resolution, in der die Tötung einer Leibesfrucht als schwierige Maßnahme abgelehnt und hingegen die Intensivierung empfängnisverhütender Maßnahmen gefordert wird.

Eine Kommission wurde gewählt, die sich mit diesen Fragen befassen soll. Allerdings – und das gab letzten Endes Anlaß zur Verärgerung – drängt die Zeit. Sicherlich sind zwei Jahre bis zum kommenden Kongreß eine zu lange Zeitspanne für Befürworter wie Gegner einer Neutralisierung des § 218 im Strafgesetzbuch.