Von Günter Muncke

Im April 1968 erlitt die Frau eines schwer kriegsbeschädigten Schrankenwärters bei einem Verkehrsunfall tödliche Verletzungen. Dem Ehemann, der oft bettlägerig war, und den zwei Kindern fehlte plötzlich die gewohnte Pflege. Der schuldige Fahrer konnte nicht ermittelt werden.

Den Hilfsbedürftigen griff eine Institution unter die Arme, die trotz ihrer verdienstvollen Arbeit kaum bekannt ist: die Verkehrsopferhilfe in Hamburg, ein eingetragener Verein, der von allen deutschen Kraftverkehrsversicherern im HUK-Verband getragen wird.

In den fünf Jahren seines Bestehens linderte der Fonds schon in mehreren tausend Fällen materielle Not. Die Gesamtaufwendungen betrugen in diesem Zeitraum über fünf Millionen Mark. Die Entschädigungssummen reichen von 1,40 bis zu 130 000 Mark.

Im Fall des Schrankenwärters wurden 70 000 Mark ausbezahlt, obwohl der Mann weiterhin ein monatliches Einkommen von über 1000 Mark bezog. Die Verkehrsopferhilfe berücksichtigte, daß der Kriegsverletzte und seine Kinder besonderer Betreuung bedurften. HUK-Verbandsdirektor Hans-Heinrich Brumm: „Der Verein reguliert großzügig und stellt an den Nachweis, den der Geschädigte zu erbringen hat, keine überspitzten Anforderungen.“

Allerdings springt der Versicherungsfonds erst dann ein, wenn ein Verkehrsopfer seine Ansprüche nicht bei dem Schuldigen selbst oder einer anderen Institution eintreiben kann. Das ist beispielsweise der Fall, wenn ein Schuldiger wegen Fahrerflucht nicht ermittelt werden kann oder wenn dieser nicht versichert ist.

Das traf zu auf einen jungen Dreher, der auf einem Zebrastreifen angefahren wurde – von einem Fahrer, dessen Wagen nicht versichert war. (Die Versicherungsprämien werden in solchen Fällen meist aus Nachlässigkeit, manchmal auch vorsätzlich nicht bezahlt. Solche Leute sind meist nicht in der Lage, den angerichteten Schaden wiedergutzumachen.) Der Schwerverletzte konnte seinen Beruf nicht mehr ausüben. Um diesen Schaden abzugelten, wurden schließlich von der Verkehrsopferhilfe 30 000 Mark bezahlt. Damit konnte der Arbeiter seine Umschulung zum Refa-Fachmann finanzieren.