Es gibt Leute, die man zu dem macht, was sie sind, indem man glaubt, daß sie es schon waren. Ich sah, wie so lebhafte, träge, langsame, zerstreute Leute und Glücksritter entstanden sind.

Fürst von Ligne

John Dos Passos

Am Montag dieser Woche starb in Baltimore der Schriftsteller John Dos Passos. In seinem vierundsiebzigjährigen Leben hat er einen weiten Weg zurückgelegt: Der Erste Weltkrieg, den er als Sanitäter mitmachte, verwandelte den Sohn eines Chicagoer Rechtsanwalts und kritischen Harvard-Studenten in einen radikalen Pazifisten; dann folgten fünfzehn Jahre antikapitalistischer, antiimperialistischer Publizistik; Enttäuschungen am praktizierten Kommunismus vor und während des Zweiten Weltkriegs änderten seine Überzeugungen gründlich – schließlich wurde er ein konservativer Sympathisant Barry Goldwaters. Der Literatur vermachte Dos Passos eine Methode, mit dem Thema Großstadt fertig zu werden, besonders durch seinen New-York-Roman „Manhattan Transfer“ (1925) und die Trilogie „USA“ (1930/36): die „Kameramethode“, heute aktueller denn je, die filmartige „takes“ – kurze Szenen, Lebensläufe, Schlagzeilen, Zeitungsartikel, Lieder – montiert und ineinanderblendet. Sein letztes Buch, 1967 veröffentlicht (die deutsche Fassung erschien 1969 bei Rowohlt), ist eine Rückschau auf seine schöpferisch bewegte Vergangenheit, auf Reisen und berühmte Kollegen – sie waren ihm als „the best times“ in Erinnerung.

Film-Marathon in Mannheim

Die internationalen Filmfestivals blähen sich zu immer gewaltigeren Mammutveranstaltungen auf und geraten dadurch, wenigstens in Deutschland, in immer stärkeren Widerspruch zur Agonie der Kinoindustrie. Die Internationale Filmwoche von Mannheim vom 5. bis zum 10. Oktober kündigt weit über hundert neue Filme an: 53 im Wettbewerbsprogramm, 39 in Informationsschauen, 9 in einem Sonderblock „Filme des Jahres“, darunter Jean Marie Straubs „Othon“, und weitere zu spät eingereichte in Sondervorführungen. Die von der Festivalleitung angegebenen Trends: auffallend viele Langfilm-Debüts, kritische Dokumentation, Zielgruppenfilme der engagierten jungen deutschen Filmemacher und eine allgemeine „neoromantische Haltung“. Die bescheidene Hoffnung der Öffentlichkeit: daß die vielen neuen Filme nicht ebenso schnell wieder in der Versenkung verschwinden, wie sie aufgetaucht sind, und sich wenigstens einige in die Fernsehprogramme oder gar in einen mutigen Verleih verirren. Man könnte sich sonst fragen, wozu diese Festivals überhaupt noch gut sind.

Hasch am Sonntag

Es stand nicht nur in der Welt am Sonntag, obwohl da einer Woche für Woche die Backen besonders komisch aufbläst, um auf die Pauke zu hauen; es stand auch in vielen anderen Gazetten: Pop-Star Jimi Hendrix wurde ein Opfer von Rauschgiften. Dazu die Welt am Dienstag: „Bei der gerichtlichen Untersuchung ergab sich ..., daß der amerikanische Gitarrist neun starke Schlaftabletten eingenommen hatte ... Spuren von Rauschgift wurden im Körper des Toten nicht gefunden.“ Aber die angeblichen Rauschgift-Mörder oder -Selbstmörder kommen eben immer in die Schlagzeilen; die Dementis kommen dann ganz klein, wenn überhaupt.