Während die Autoindustrie, Italiens Devisenbringer Nummer zwei, noch unter den Streikfolgen des heißen Frühjahrs leidet, ziehen sich Wolken über Italiens Devisenquelle Nummer eins zusammen: Der Fremdenverkehr ist nicht mehr, was er früher war.

Jahrzehntelang war die Riviera der Strand, an dem sich Europas gutbürgerliche Gesellschaft im Sommer traf. Die Adriaküste zwischen Jesolo und Cattolica ging als Teutonengrill in die Geschichte des Tourismus ein. Erstmals schreckten 1964 linksextreme Demonstranten mit dem Ruf „Kartoffelfresser raus“ die nördlichen Sonnenanbeter aus ihrem Urlaubsfrieden.

Vorübergehend kamen damals weniger Deutsche. Aber Skandinavier und Engländer machten diesen Ausfall wett. Im vergangenen Jahr meldete der Fremdenverkehrsminister erstmals mehr als 1000 Milliarden Lire Deviseneinnahmen aus dem Urlaubsgeschäft.

Seit ein paar Wochen aber regen sich Zweifel, ob das große Geschäft auch in diesem Jahr weitergeht. Viareggio und Alassio melden erheblich weniger deutsche Urlauber als in den vergangenen Jahren. Auch Jesolo, Rimini und Riccione, die Strände von Ravenna und anderen Ferien-Hochburgen an der Adria stimmen in den Chor der Enttäuschten ein. Der Rückgang wird im Durchschnitt bei fünf bis zehn Prozent liegen,

Noch alarmierender wirkte allerdings die Feststellung, daß auch die Italiener selbst diesmal weniger als sonst ans Meer gefahren sind. Übereinstimmende Aussagen aus vielen Urlaubsorten ergeben zudem, daß sowohl ausländische wie inländische Touristen im Durchschnitt viel weniger Geld als früher für Extras ausgeben.

Teils gibt man den Hotelpreiserhöhungen die Schuld. Das gilt insbesondere für die Riviera, wo sich die Strandmieten saftig verteuerten und wo die Hoteliers teilweise über die im amtlichen Jahrbuch festgesetzten Preiserhöhungen hinausgingen. An der Adria aber gilt dieses Motiv nicht, denn dort wurden die Preise weitgehend gehalten.

Andere machen die vielen Streiks für das flaue Geschäft verantwortlich. Sie hätten ein Element der Unsicherheit in die Urlaubsdispositionen gebracht, so daß viele Ausländer – und auch Italiener – an den Mittelmeerstränden anderer Nationen unbeschwerte Erholung suchten.