Der amerikanische Präsident Nixon hat seinen neuntägigen Europabesuch, der ihn nach Italien, Jugoslawien, Spanien, Großbritannien und Irland führte, am Montag beendet. Das Ziel seiner Reise, durch den Besuch der Mittelmeerländer und der 6., im Mittelmeer operierenden, US-Flotte den Einfluß und Anspruch Amerikas im Mittelmeer zu demonstrieren, wurde durch den Tod des ägyptischen Präsidenten Nasser beeinträchtigt und in Frage gestellt.

Nixon war am Sonntag vergangener Woche in Rom eingetroffen. In seinen Besprechungen mit dem italienischen Staatspräsidenten Saragat behandelte er unter anderem die Beziehungen beider Länder und das Nahost-Problem. Am Nachmittag wurde Nixon von Papst Paul VI. empfangen.

Tags darauf flog der Präsident zur 6. Flotte. Die geplanten Manöver wurden mit Rücksicht auf den mittlerweile bekanntgewordenen Tod Nassers abgesagt. Nixon hielt an Bord des Flugzeugträgers Saratoga eine Rede an die Offiziere und Mannschaften, in der er sich nachdrücklich für den Frieden in Nahost aussprach.

Größte Bedeutung kam seinem Besuch in Jugoslawien zu. Staatspräsident Tito hatte auf die Teilnahme an den Beisetzungsfeierlichkeiten in Kairo verzichtet, um mit Nixon die Lage im Nahen Osten zu besprechen. Auf jugoslawischer Seite wurde das Interesse an besseren Beziehungen zum Westen betont, während Nixon der Formel Titos zustimmte, daß jedes Land ein Recht auf eigenständige Entwicklung und volle Souveränität, unbeschadet verschiedener Gesellschaftsordnungen, habe. Eine vielbeachtete Geste gegenüber dem Gastgeber war der Besuch Nixons in Kumrovec, dem Geburtsort Titos.

Die nächste Station der Nixon-Reise war Spanien, das dem amerikanischen Präsidenten einen begeisterten Empfang bereitete. Das Treffen mit Staatschef Franco unterstrich die Bedeutung, die die Vereinigten Staaten nach Abschluß eines neuen Stützpunktabkommens Spanien zumessen.

Von Madrid aus flog der Präsident für einen kurzen Besuch nach Großbritannien. Dort konferierte er mit Premierminister Heath auf dessen Landsitz Chequers. Nach Angaben des Pressesekretärs des Weißen Hauses waren beide Gesprächspartner sich darüber einig, daß eine Verlängerung des Waffenstillstandes am Suezkanal wünschenswert sei, weitere Friedenskontakte aber erst nach einer Stabilisierung Ägyptens Erfolg versprächen. Nixon und Heath stimmten auch darin überein, daß das Verhalten der Sowjets bei den Berlin-Verhandlungen ein Prüfstein dafür sei, ob die Einberufung einer europäischen Sicherheitskonferenz überhaupt Aussicht auf Erfolg bietet. Ein weiteres Gesprächsthema war Englands Präsenz „East of Suez“.

Der Präsident beendete seine Europa-Reise mit einem dreitägigen Privataufenthalt in Irland. Auf einer Pressekonferenz erklärte er, sein Besuch bei der 6. Flotte habe ihn überzeugt, daß sie in der Lage sei, „ihren Auftrag zur Abschreckung unverantwortlicher Elemente im Mittelmeer-Raum zu erfüllen“. Er halte es für notwendig, daß sie diese Fähigkeit behalte.

Der amerikanische Präsident versicherte ferner, daß die USA ihre Nato-Truppen nicht einseitig vermindern würden. Andererseits habe er auf seiner Reise feststellen können, daß man der amerikanischen Politik große Freundschaft und ein gesteigertes Verständnis für ihre Aufgaben und Pflichten in der ganzen Welt entgegenbringe.