Daß da etwas im Busch ist, ahnen viele: Schließlich vergeht kaum ein Tag, ohne daß in den Tageszeitungen, meist irgendwo in den Wirtschaftsteilen, Neuigkeiten über Aktivitäten im Multimedien-Bereich erscheinen, in der Regel bezogen auf aufwühlende Änderungen, auf die sich das gesamte Schulwesen gefaßt machen müsse. Was aber eigentlich im Busch ist, das wissen häufig noch nicht einmal jene, die es am meisten angeht, weil es die Zukunft ihres Berufes betrifft, die Lehrer. Selbst Experten haben oft nur verschwommene Vorstellungen vom Fachbereich nebenan – eine soeben erschienene juristische Studie über das fälschlich so genannte Kassetten-Fernsehen von Gustav Brugger zum Beispiel steht hilflos vor der Nachbarprovinz der Lehrgeräte. Und der Öffentlichkeit, die es nicht zuletzt anginge, weil jeder einzelne in irgendeiner Weise mit den Novitäten Bekanntschaft machen wird, klingen neue Zentralbegriffe wie "Audiovision" oder "Medienverbund" wie Abrakadabra, bestenfalls wie Autovision und Mädchenverbund, von "PU" oder "CUU" oder "CAI" oder "SIM" oder "FIM" hier noch nicht zu reden.

Die Rede ist von jenen Entwicklungen, die unter dem Stichwort "Unterrichtstechnologie" oder "Bildungstechnologie" zusammengefaßt werden – aber "Unterrichtstechnologie" ist besser, weil eben der alte Bildungsbegriff von diesen Entwicklungen in Frage gestellt wird.

Sonderbarerweise wurde das Gebiet der Unterrichtstechnologie von der Presse bisher weitgehend außer acht gelassen. Oder vielleicht auch nicht sonderbarerweise: denn der Versuch, nicht nur einzelne Neuigkeiten zu melden und prominente Teilaspekte zu bemerken (etwa die vorwiegend politischen Diskussionen um ein Universitätsfernsehen und die Beteiligung der Sendeanstalten daran; das langsame Vordringen des Programmierten Unterrichts; nicht zuletzt die Entwicklung von Speichersystemen für Fernsehbilder) – dieser Versuch setzt mühselige Kleinarbeit voraus. Die Fakten und die zum Teil sehr heftigen Diskussionen über sie finden sich in einer Unzahl von Tagungsberichten, Pressediensten, Firmenprospekten, Zeitungsmeldungen, Fachzeitschriften, Memoranden, Gutachten, Korridorgerüchten. Ein Gesamtüberblick aber ist unerläßlich; denn technische, pädagogische, politische Aspekte gehören zusammen, keins der neuen Medien ist außerhalb des Zusammenhangs mit den anderen wirklich zu verstehen und zu beurteilen.

Einen solchen Gesamtüberblick versucht die Artikelserie "Stichwort: Unterrichtstechnologie" zu geben, die wir in dieser Ausgabe beginnen. Sie will nicht originell, sein und nicht durch polemische Parteinahme in die Debatte eingreifen. Sie will informieren und damit dem Leser helfen, Einzelnachrichten und Einzelbegriffe, mit denen er nunmehr immer häufiger konfrontiert werden wird, besser zu verstehen und einzuordnen. Sie schreckt dabei vor groben Vereinfachungen nicht zurück. Der erste Teil erläutert den Begriff der Unterrichtstechnologie und stellt einige zukunftsträchtige neue Geräte vor; der zweite skizziert, was Programmierter Unterricht ist und wozu Lernmaschinen da sind; der dritte beschreibt die Rolle von Funk und Fernsehen bei der unterrichtstechnologischen Wende; der vierte die neuen Initiativen, besonders die Zusammenschlüsse bei den Lehrmittel- und Presseverlagen; und der fünfte versucht, thesenartig einige einfache Folgerungen aus alldem festzuhalten.

Die Artikelserie ist nicht kurz: und doch sehr kurz, wenn man bedenkt, daß ein einziges Teilthema wie das Universitätsfernsehen, das es doch noch gar nicht gibt, ganze Regale füllt. Möglicherweise ist sie auch nicht eben kurzweilig: obwohl darüber vielleicht milder urteilt, wer einmal pädagogisch-technische Fachveröffentlichungen gelesen hat. Das Fach steht ja nicht nur vor der notwendigen Aufgabe, mit neuen Begriffen für neue und nicht unkomplizierte Dinge und Sachverhalte operieren zu müssen; es hat darüberhinaus auch eine fatale Neigung zu jenem Bildungsdeutsch, das Trivialitäten hinter Weihrauchschwaden versteckt. Dieter E. Zimmer