Mitte voriger Woche trafen die Botschafter der vier Großmächte zu ihrer siebenten Gesprächsrunde über Berlin im ehemaligen Kontrollratsgebäude in Berlin-Schöneberg zusammen. Dieses erste Gespräch nach Unterzeichnung des deutschsowjetischen Vertrages war mit Spannung erwartet worden, da Bonn eine Vertragsratifizierung von einer vorherigen befriedigenden Berlin-Regelung abhängig macht.

Die Zustimmung des sowjetischen Botschafters Abrassimow, bereits am 9. Oktober weiter zu verhandeln, wird mit vorsichtigem Optimismus als gestiegene Verhandlungsbereitschaft Moskaus gewertet. Aus Washington wurde bekannt, daß Abrassimow ein Arbeitspapier erläutert hat, das nach amerikanischer Darstellung „ziemlich dunkel“ sei und einen harten sowjetischen Standpunkt erkennen lasse.

Obwohl auch in dem sowjetischen Dokument, ebenso wie in einem gleichartigen westlichen Schriftstück, nur Grundsätze und Prozeduren, aber keine Einzelvorschläge behandelt werden, sehen westliche Regierungskreise in der Tatsache der schriftlichen Fixierung doch einen wesentlichen Fortschritt. Allerdings wollen die Amerikaner nicht so weit gehen, bereits von einer „Verhandlungsgrundlage“ zu sprechen.

Nach Angaben aus Washington wirft das sowjetische Schriftstück drei Fragen auf:

  • In der Frage des Zivilverkehrs scheint Moskau Vereinbarungen mit der DDR anzustreben, während die Westmächte eine vertragliche Regelung mit der Sowjetunion wünschen, auch wenn die DDR den Verkehr abwickelt.
  • Während die wirtschaftlichen und finanziellen Bindungen Westberlins an den Bund akzeptiert werden, widerstrebt Moskau weiterhin einer Anerkennung der politischen Bindungen.
  • Wie die Westmächte geht die Sowjetunion davon aus, daß Westberlin nicht Teil der Bundesrepublik ist, doch ignoriert sie die westliche Feststellung, daß ganz Berlin der Verantwortung der Siegermächte unterstehe.