Werden Militarismus und Faschismus in den USA triumphieren?

Von Waldemar Besson

Die amerikanische Misere ist in jedermanns Munde. Den Vereinigten Staaten droht die weltpolitische Lähmung, je tiefer sich der Abgrund Vietnams öffnet und je heftiger die Spannungen im eigenen Lande sich entladen. Die Krise Amerikas ist der Ausgangspunkt des Buches:

Ekkehart Krippendorff: „Die amerikanische Strategie; Entscheidungsprozeß und Instrumentarium der amerikanischen Außenpolitik“; Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 1970; 496 Seiten, brosch. 24,–, Ln. 38,– DM.

Der Verfasser gehörte als Berliner Assistent zu den einflußreichsten Wegbereitern des studentischen Protestes in Deutschland. Aus seinen Studien in Amerika hat er nicht nur den Stoff zu einem Buch mitgebracht, sondern auch den Willen zur politischen Aktion. Ohne diese Vorgabe an persönlicher Erfahrung ist der Autor Krippendorff nicht denkbar. Die bürgerliche Gesellschaft hält er für die Quelle aller politischen Übel; sie steht im Weg von Fortschritt und Humanität.

Krippendorff kennt seinen Lenin. Man muß ihm aber bestätigen, daß er kein vulgärer Epigone ist. Das Ergebnis ist die radikalste, aber auch intelligenteste Kritiken der amerikanischen Außenpolitik, die ich kenne. Seine Prognose: Das amerikanische Volk taumelt in eine Zukunft, in der Militarismus und Faschismus triumphieren werden.

Mit Krippendorff lohnt sich nicht über Einzelheiten zu streiten. Anzusetzen ist vielmehr bei seinen Prämissen und seiner Perspektive, bei der Methode seines Buches. Der Autor nennt sie „strukturalistisch“, und er will damit sagen, daß er das Spiel mit den individuellen Akteuren endgültig durchschaut habe: „Politiker sind Funktionäre mit spezifischen Aufträgen.“ Sie erscheinen nur als Repräsentanten eines Ganzen, in Wahrheit folgen sie den Weisungen der Gruppen und Klassen, die das politische System dominieren.