Eine Aufwertung ist kein Ersatz für Wirtschaftspolitik. „Hausgemachte“ Preissteigerungen müssen mit anderen Mitteln gebremst werden.

Klaus Dieter Arndt hat in der Bundesbank eine schlechte Presse. Den ehemaligen Staatssekretär Karl Schillers kümmert das aber nicht; er hat damit gerechnet. Sein Spiel mit dem Feuer der Aufwertung sollte die Bundesbank zu dem Bekenntnis zwingen, daß die Bundesrepublik ohne neue Aufwertung dem aus dem Ausland eindringenden Inflationsbazillus unweigerlich verfallen sei.

Bundesbankpräsident Karl Klasen leistete diesen „Offenbarungseid“ nicht. Klasen, der wie alle übrigen Mitglieder des Zentralbankrates eine Aufwertung zum gegenwärtigen Zeitpunkt strikt ablehnt, konterte:

Der Preisauftrieb kommt diesmal nicht von außen. Er ist hausgemacht und muß daher auch im eigenen Haus bekämpft werden, nicht aber durch eine Aufwertung, die nur dann zu erwägen sei, wenn ein außenwirtschaftliches Ungleichgewicht besteht.

Klasens Thesen bestechen. Der Mechanismus, mit dem üblicherweise Inflation importiert wird, steht zwar nicht still, doch er läuft nur im ersten Gang. Die Außenhandelsüberschüsse gehen zurück, die Auslandsbestellungen nehmen, in derTendenz, ab. Nur die kurzfristigen Milliarden, die in den vergangenen Monaten über die Grenzen zu Banken und Unternehmen geflossen sind, sind Wasser auf die Mühlen des Booms.

Hält man sich dann noch vor Augen, daß das Ausland vielleicht eher zu stabilen Preisen zurückfindet als die Bundesrepublik, so ist die Prophetie des amerikanischen Wirtschaftsprofessors Milton Frieden nicht einmal ganz so abwegig: „Ihr werdet euch eines Tages mit dem Gedanken einer Abwertung vertraut reichen müssen.“

Was auch Friedman dabei im Sinne hatte, ist die Befürchtung, daß die Bundesrepublikmöglicherweise bald mit ihren Preissteigerungendas Ausland übertrifft und sich in die Rolle Großbritanniens hineinmanövriert.