Seit Jahren bemüht sich die Internationale Vereinigung der Studenten der Wirtschaftswissenschaften (AIESEC) Kontakte zwischen Studenten und Firmen herzustellen, um das „gegenseitige Verständnis“ zu fördern. Denn, so ermittelten die Studentenfunktionäre, die Unzufriedenheit der Wirtschaft über den akademischen Nachwuchs wächst. Personalchefs beklagen die „mangelnde Praxisnähe“ der sich bewerbenden Hochschulabsolventen und monieren, daß diese häufig von der Auffassung ausgehen, erlernte Denkmodelle unverzüglich in die Tat umsetzen zu können.

Zwar sind deutsche Firmen neuen Ideen gegenüber durchaus aufgeschlossen. Doch sie wollen von dem Jungakademiker nicht Knall auf Fall damit konfrontiert werden. „Er muß wissen, wann und bei wem er neue Ideen anbringen kann.“ Er muß geschickt argumentieren.

Auch die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Frankfurt sieht besorgt, daß die beruflichen Vorstellungen der Hochschulabsolventen, die bei ihr vorsprechen, sehr häufig nicht im Einklang mit der Praxis stehen. Mancher weiß nicht so recht, was in der Wirtschaft zählt.

Sie bemühte sich daher, in Gesprächen mit Personalchefs, Managern und anderen Praktikern „die Fronten abzustecken“; herauszukristallisieren, was von Hochschulabsolventen erwartet wird, wie sie sich auf den Job vorbereiten sollten und wie ihre Ausbildung an der ersten Arbeitsstätte aussehen kann.

Schon der Studienaufbau kann für die Beurteilung eines Bewerbers wesentlich sein. Ob sein Studium systematisch und ökonomisch aufgebaut ist, sagt bereits manches über den Bewerber aus. Ein Blick über den Zaun des eigentlichen Fachgebietes schadet nie. Wann, wo und bei wem er studiert hat, kann im Einzelfall ebenfalls bedeutsam sein, ist aber in der Regel nicht wesentlich. Ein kurzes Studium mit einem guten Abschluß ist eine Empfehlung. Die Umstände, unter denen ein Studium absolviert wurde – zum Beispiel Finanzierung durch eigene Arbeit – werdeastark beachtet. Prädikatsexamina (sehr gut bis befriedigend) sind selbstverständlich Pluspunkte. Die Note wird jedoch immer im Zusammenhang mit der Studiendauer und dem Fach – aber auch dem Studienort – gesehen. Der Ruf einzelner Universitäten als Ausbildungsstätte spielt immer noch eine gewisse Rolle. Die Examensnote kann bei gleich qualifizierten Mitbewerbern ausschlaggebend für die Einstellung sein. Später verliert sie an Bedeutung; entscheidend ist, wie sich der Bewerber in der Praxis bewährt.

Das Thema der Diplom- bzw. Examensarbeit interessiert immer. Man sollte sich nicht auf ein Arbeitsgebiet abdrängen lassen, nur weil es das Steckenpferd des betreffenden Professors ist. Genausowenig sollte man das Thema der Examensarbeit nur danach ausrichten, ob dafür ein geeigneter Arbeitsplatz oder genügend Literatur vorhanden ist. Wenn es sich dennoch nicht vermeiden läßt, die Arbeit auf einem Gebiet zu schreiben, für das man kaum Interesse zeigt, so sollte man das bei einer Bewerbung erwähnen, da der Arbeitgeber sonst die Interessenschwerpunkte auf diesem Gebiet wähnt. Diese falsche Vermutung könnte dann dazu führen, daß man jahrelang auf ein Gebiet festgelegt wird, daß einem nicht liegt. Für die Themenwahl der Promotion gilt zusätzlich: Ist die Doktorarbeit aktuell und praxisbezogen, so stellt sie ein Plus dar und wird sich in den meisten Fällen auch auf das Anfangsgehalt auswirken.

Der Doktortitel wird sehr verschieden bewertet. Bei Positionen, die mit Repräsentation nach außen verbunden sind, wird er gern gesehen. Auch kann er später einmal, wenn es um eine Führungsposition der oberen Ebene geht, gegenüber einem gleich gut qualifizierten Bewerber ohne Promotion den Ausschlag geben. Die Promotion ist auch ein Zeitproblem. Als Faustregel gilt: Spätestens mit 30 Jahren sollte der Übergang ins Berufsleben erfolgen. Ein lange dauerndes Promotionsverfahren zahlt sich beruflich selten aus, es sei denn, der Arbeitgeber finanziert die Promotion und ist an der Arbeit interessiert.