Von Wolfgang Rieger

Georgios Papadopoulos, Oberst a. D. und griechischer Premierminister, kann frohlocken. Ihm wurde eine Auszeichnung zuteil, die sich auch innenpolitisch auswirken wird: Drei Tage lang besuchte der amerikanische Verteidigungsminister Melvin Laird Griechenland. Zwar hätte es die griechische Regierung gern gesehen, wäre Präsident Richard Nixon während seiner Europa-Reise zu einem Abstecher in Athen erschienen, aber als Laird Griechenland einen aufrichtigen Freund und Alliierten der Vereinigten Staaten nannte, war man’s auch zufrieden.

Die Amerikaner hatten schon lange ihr Wohlwollen gegenüber der Militärjunta gezeigt. Vor allem waren es amerikanische Generäle und Stabsoffiziere, die in den letzten drei Jahren bei annähernd hundert Dienstreisen nach Griechenland ihren Waffenkameraden das Gefühl der Isolierung nahmen.

Griechenland ist für die Verteidigung der Südflanke der Nato wichtig. Und deshalb drängeln die Amerikaner nicht besonders, wenn es um die Rückkehr zur Demokratie geht. So solwir studieren und entscheiden, welche anderen neuen Kompetenzen den unteren Organisationen zugewiesen werden können. Unter Umständen ist es jetzt möglich, eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen aus der direkten Kontrolle durch die Ministerien in die Kontrolle der Distriktkomitees zu überführen ... Jedes Zögern bei der Ausweitung der Kompetenzen an der Basis würde schädliche Konsequenzen haben.“ So bescheiden und so sorgsam gezügelt diese Reformen auch sein mögen – nie zuvor in den vergangenen Jahren hat es in Albanien die Aufforderung zur Kritik gegeben, wie sie Enver Hodscha formulierte: „Durch die Diskussion sogar außerhalb der Organisationen und außerhalb der offiziellen Linie tun Parteimitglieder oder Nichtmitglieder einen guten Dienst, indem sie die Direktiven kritisieren, die Fehler enthalten oder Formen ineffektiver Organisation.“

Die Partei sucht Unterstützung für ihre Reformen auch durch eine ungeminderte Erziehung zum nationalen Stolz. Diesen Zweck verfolgt wohl die überraschende Veröffentlichung der großen Anklagerede Enver Hodschas vom 16. November 1960 in Moskau. Auf dem Gipfeltreffen der 81 Parteien wurde damals beschlossen, die Konferenzmaterialien nicht zu veröffentlichen. Nach zehn Jahren hat Albanien nun gegen diese Vereinbarung verstoßen.

Jene Philippika belegt den flammenden Nationalismus, der Albanien vorerst noch begleiten wird, wie immer die ökonomischen und außenpolitischen Reformen aussehen mögen. Enver Hodscha sagte: „Genosse Koslow hat uns Albaner sogar vor diese beiden Alternativen gestellt: entweder Koexistenz, wie er sie begreift, oder eine Atombombe von den Imperialisten, die Albanien in einen Haufen Asche verwandelt und keinen Albaner am Leben läßt. Bisher hat kein Repräsentant des US-Imperialismus eine solche Atomdrohung gegen das albanische Volk ausgestoßen. Doch hier ist sie, und von einem Mitglied des Präsidiums des ZK der Kommunistischen Partei der Sowjetunion – und gegen wen? Gegen ein kleines heroisches Land, gegen ein Volk, das durch Jahrhunderte gekämpft hat gegen grausame und unzählige Feinde und das niemals die Knie beugte ...“

len die amerikanischen Waffenlieferungen, die 1967 als ein Zeichen des Mißfallens über die Aufhebung der demokratischen Grundrechte suspendiert wurden, wiederaufgenommen werden. Bereits im Juli dieses Jahres hatte die New York Times berichtet, das Regime der Offiziere in Athen brauche nichts zu befürchten. Die militärische Unterstützung der Obristen diene dazu, den Vereinigten Staaten jene Marine- und Luftwaffenstützpunkte zu erhalten, die sie brauchten, um mit der wachsenden sowjetischen Macht im Mittelmeer fertig zu werden.