Zwar erfuhr ich erst bei meiner Ankunft in Moskau, daß die Konferenz, die dort im August zum 150jährigen Jubiläum des Instituts für Orientalische Studien (IOS) an der Akademie der Wissenschaften der UdSSR eröffnet werden sollte, kurzfristig auf den 9. November verschoben worden war, aber ich konnte immerhin die Gelegenheit benutzen, nicht nur das IOS und seine Mitarbeiter, sondern auch andere sowjetische Asienforscher kennenzulernen und mich über ihre publizistische Tätigkeit zu informieren, nicht zu vergessen das Fernost-Institut, das ebenfalls der Akademie der Wissenschaften eingegliedert ist und sich ausschließlich mit Gegenwartsproblemen in Ostasien beschäftigt.

Unter den jüngsten Publikationen, in denen insgesamt die nationalen Befreiungsbewegungen, die Bauernbewegungen, die Probleme des sozialistischen Aufbaus und der „nichtkapitalistischen“ Entwicklungsmodelle in Asien und Afrika behandelt werden, ist zunächst das 1967 bis 1968 erschienene dreibändige Werk „The National-Liberation Movement in Asia and Africa“ zu nennen. (Fortan folge ich, mit wenigen Ausnahmen, jeweils der von sowjetischer Seite gelieferten englischen Übersetzung des Titels oder der Transkription des Autors.)

Das Autorenkollektiv – Akademiemitglied und Direktor des IOS, B. G. Gafurow, G. F. Kim, S. N. Rostowskij, V. G. Solodownikow und R. A. Uljanowskij – will darin „imperialistische“ Theorien über die angeblich positiven Leistungen des Kolonialismus und nationalistische Auffassungen, die in den Denkkategorien von Ost und West eingebettet sind, widerlegen.

Das IOS hat bisher herausgegeben: Centuries of Resistence“; „Awakening of the Oppressed“; „On the New Road“. Anderseits behandeln einige Publikationen des IOS die Asienpolitik der „imperialistischen Mächte: „United States Policy in the Middle East, South East Asia and the Far East“; „French Colonial Policy in the Countries of Asia and Africa After the Second World War“; „Conquest of Burma by the British“ (M. Koslow).

In einem Band gesammelter Aufsätze unter dem Titel „Lives Given to Freedom“ (Moskau 1966) werden die Lebensläufe der Gründer der kommunistischen ParteienIndiens, Indonesiens, Japans, der Türkei, des Irans, des Iraks u. a. geschildert. Zum 100. Geburtstag Lenins ist erschienen: „Leninism and the Ideological Struggle in Afro-Asian Countries“. In dem von R. A. Uljanowskij unter dem Titel „Komintern: Wostok“ (1969) herausgegebenen Buch sind jene Kapitel von aktuellem Wert, worin die historischen Keime der gegenwärtigen „anti-leninistischen“ Politik der Kommunistischen Partei Chinas und die Maosche Konzeption der chinesischen Revolution kritisch behandelt werden. Grundlegenden Charakter hat das im Jahre 1969 abgeschlossene Werk von S. Tichwinskij „Modern History of China“.

Außer dem Buch „Peasant Movements in the Countries of the East“ liegen auch Monographien vor über die Agrarfrage in Indien (zum Beispiel von W. G. Rastjannikow & M. A. Maksimor), Afghanistan (A. D. Dawidow), Iran (A. I. Demin), Indonesien (P. G. Anajew), Birma (G. N. Klimko), Japan, Südkorea (I. S. Kasakewitsch), Irak (S. N. Alitowskij) und China vor 1949 (L. P. Deljusin; O. Nepomnin; V. Iljuschetschkin).

Über Probleme der Arbeiterbewegung erfahren wir etwas in „The Working Class and the Workers’ Movement in Asian and African Countries“ (1965); „The Working Class of Asia and Africa“ (F. M. Azamba & L. A. Fridman, (1966); „Agricultural Labourers in Asian and North African Countries“ (1969).