Hajo Holborn: „A History of Modern Germany“; Vol. I–III, Eyre & Spottiswoode; London 1970; £ 12.0.0. (deutsch bei Oldenbourg, Bd. I u. II je 38,– DM; Bd. III im Frühjahr)

Das Erscheinen des Abschlußbandes der Geschichte des modernen Deutschlands, die von der Reformation bis zum Zusammenbruch von 1945 reicht, unterstreicht noch einmal den Verlust, den die internationale Geschichtswissenschaft im letzten Jahr durch den Tod Hajo Holborns erlitten hat. Er schrieb einen niemals langweiligen Bericht über die dramatischen, tragischen und so oft höchst bedenklichen Entwicklungen, die Deutschlands Geschichte bestimmt haben. Das Buch ist heute bereits als führendes Werk in den angelsächsischen Ländern anerkannt.

Holborn sieht als Leitmotiv der deutschen Geschichte den Drang nach Macht mit all ihren dämonischen Eigenschaften, verführerischen Künsten und ihrer unheimlichen Fähigkeit, zu korrumpieren und zu zerstören. Seine Geschichtsphilosophie scheint teleologischer Natur zu sein; er ist von dem Gedanken durchdrungen, daß alle wesentlichen Ereignisse und Strömungen der deutschen Geschichte doch als Auftakt zum düsteren Finale von 1933 zu betrachten sind.

Was die angelsächsische Kritik an diesem Werk so bewundert hat, ist einmal der knappe, kompakte Stil des Autors, der nicht metaphysischen Spekulationen nachhängt, dann jedoch vor allem sein Bestreben, gleichzeitig auch eine Kulturgeschichte Deutschlands vorzulegen. Deswegen sind die Kapitel über Theologie, Philosophie und Kunst ausgezeichnet. Leider ist die soziale Entwicklung nicht immer genügend beachtet worden. Man erhält nur eine verschwommene Vorstellung vom Leben des Durchschnittsbürgers, also von immerhin neun Zehnteln der Bevölkerung. Auch die Frauen werden etwas stiefmütterlich behandelt. Die Darstellung der Hitler-Jahre, als Höhepunkt und Epilog gedacht, ist zu knapp bemessen. Eine abschließende, abschätzende Bewertung fehlt ebenso wie eine Bibliographie, die in Amerika getrennt als „Guide to Historical Literature“ erschienen ist. Der große Erfolg dieses Werks, der ihm trotz einiger Schönheitsfehler gebührt, beruht auf dem ausgewogenen Gleichgewicht der Darstellung von politischer und militärischer Geschichte,

Alex Natan