Von Wolfgang Hoffmann

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Heinz Kühn hatte von Bundeskanzler Willy Brandt jene heikle Mission übernommen, in den schwarzafrikanischen Ländern Uganda, Tansania und Sambia um Verständnis dafür zu werben, daß Bonn deutschen Firmen die Beteiligung an dem umstrittenen Staudamm Cabora Bassa in Portugiesisch-Mozambique mit Bundesbürgschaften ermöglicht hat. Heinz Kühn: "Es war keine leichte Sache."

In der Tat hatte Kühn Mühe, seinen afrikanischen Gesprächspartnern, vor allem dem Sambia-Präsidenten Kenneth Kaunda, den Standpunkt der deutschen Regierung zu interpretieren. Und nach der Rückkehr aus dem Schwarzen Kontinent empfahl Kühn, bei künftigen Projekten Vorsicht walten zu lassen: "Es kann keinen Zweifel geben, daß jedes weitere von der Bundesrepublik gestützte wirtschaftliche Engagement, das von afrikanischen Regierungen als Unterstützung des Kolonialismus empfunden wird, unsere Position in Schwarzafrika erschüttern muß."

Die Erschütterung scheint nun bevorzustehen. Denn während Kühn vor den Gefahren der Unterstützung der letzten Kolonialmächte warnt, während das umstrittene Cabora-Bassa-Projekt noch immer Gegenstand der Diskussion in der SPD-Fraktion ist, bahnt sich in Afrika ein neuer Fall an, der abermals die Kritik der Schwarzafrikaner heraufbeschwören wird. Dann nämlich, wenn die Erwartungen des Bonner Wissenschaftsministeriums erfüllt werden: Spätestens 1975 will die Bundesrepublik Uranoxyd aus Südwestafrika beziehen, jenem UN-Mandatsgebiet, das von den Weißen der Südafrikanischen Union beherrscht und verwaltet wird. Und damit stehen dann die deutschen Uraninteressen im Widerspruch zu den politischen Anliegen der um ihre Unabhängigkeit kämpfenden Afrikaner.

Das Dilemma der Bundesregierung scheint schwer überbrückbar. Da die Bundesrepublik bis 1980 rund 20 bis 25 Prozent ihres Strombedarfs aus der Kernenergie decken will, benötigt die Industrie Uran, das in Deutschland kaum Vorhanden ist. Der deutsche Bedarf beträgt nach derzeitigen Schätzungen bis 1980 jährlich zwischen 32 000 und 40 000 sht (short tons, 1 sht gleich 0,9 Tonnen).

Der ursprüngliche Plan der Deutschen, wie er im dritten Atomprogramm für die Jahre 1968 bis 1973 fixiert war, sah vor, zwei Fünftel des Bedarfs über langfristige Kaufverträge zu beschaffen, weitere zwei Fünftel über Beteiligungen an Prospektionen und ein Fünftel über Sofortkäufe zu decken. Da jedoch bei langfristigen Verträgen hohe Lager- und Kapitalkosten entstehen, die den Rohstoff verteuern würden, entschied sich die Bundesregierung für eine stärkere Beteiligung an bereits vorhandenen und entdeckten Rohstofflagern.

Unabhängig davon sollen deutsche Firmen weiterhin überall in der Welt prospektieren, um neue Uranquellen zu erforschen. Weil die Industrie die hohen Prospektionskosten selbst nicht finanzieren kann, trägt der Bund 75 Prozent. Nur wenn Uran gefunden wird, müssen die Firmen das Geld zurückgeben oder die doppelte Summe, des Bundeszuschusses in neue Prospektionen investieren. Bislang hat sich das Wissenschaftsministerium die Uransuche rund 30 Millionen Mark kosten lassen. Wie hoch Bonn die Uranprospektionen einschätzt, geht daraus hervor, daß 1970 allein 17 Millionen Mark für diesen Zweck zur Verfügung stehen.