Das Einfamilienhaus war schlüsselfertig, aber der Bauherr hatte sich’s anders überlegt; er wünschte sich noch einen Balkon vor dem Obergeschoß. Was tun? – Ankleben! Ein Glasröhrchen mit Sand und Flüssigharz gefüllt macht’s möglich.

Techniker einer süddeutschen Dübelfabrik ließen sich den buchstäblich unlösbaren „Upat-Klebeanker“ einfallen. Auf einem Presse-Empfang im Herstellerwerk konnte man sich kürzlich davon überzeugen, wie einfach es ist, Tonnenlasten mit diesem Klebestift zu befestigen.

Einem der Besucher wurde eine Schlagbohrmaschine in die Hand gedrückt. Er bohrte das passende Loch in eine Betonmauer, steckte ein Glasröhrchen hinein, schob einen stählernen Gewindebolzen nach und trieb ihn ohne Rücksicht auf das zerbrechliche Röhrchen mit dem Heimwerkergerät in das Bohrloch hinein.

Eine halbe Stunde später wurde eine Zerreißmaschine angesetzt. Bei einer Tonne Zugkraft (die auch der größte Pkw nicht aufbringt!) zerriß der anderthalb Zentimeter dicke Stahlbolzen mit lautem Knall, aber das eingeklebte Ende blieb in der Mauer stecken – obwohl sie aus leichtem Schaumbeton war und der Bolzen nur eine Handbreit drin steckte.

Der Zaubertrick: In dem Röhrchen steckt noch ein zweites Glasrohr. Beide enthalten verschiedene flüssige Kunstharzkomponenten. Der rotierende Gewindebolzen wirkt wie ein Mahlstein; er zermalmt die Glashülsen zu Staub. Die beiden Flüssigkeiten vermischen sich, umhüllen das Bolzengewinde und kriechen wie Baumwurzeln in die Poren und Unebenheiten des Mauerlochs. Unmittelbar danach erhärten sie und verbinden Bolzen und Mauer unlösbar.

Mit solchen Verklebungen wurden inzwischen schwere freitragende Decken befestigt, Tunnel gesichert und Ski-Lifts im Fels oder Fertighäuser auf ihren Fundamenten verankert. Sogar die Bruchstücke einer eingestürzten Betonbrücke wurden damit wieder zusammengeklebt. Über die Brücke rollen Lastwagen. H. J. Z.