Sollten Sie sehen:

„Berlin-Alexanderplatz“ (1931), von Phil Jutzi. „Der Film ist reizvoll im Detail, prunkt mit glänzenden Einfällen und schauspielerischen Nuancen, aber er ist ziellos“ (Herbert Jhering, 1931). Gerade die Ziellosigkeit setzt heute Kräfte frei, die mancher diszipliniertere, treffendere Film der Zeit nicht mehr besitzt. Aus einer Distanz von bald vierzig Jahren gesehen, rücken wie im Teleobjektiv auseinanderliegende Dinge zusammen. Heinrich George ist nicht unbedingt der Döblinsche Biberkopf, aber beide wachsen zusammen zur Hieroglyphe eines Zeitgeists. Zum dokumentarischen Stil dieses Films tritt der Dokumentarismus des Kinos: Gerade wenn der Stilwille eines Regisseurs so gebrochen ist wie hier, entfalten das photographische Bild und der registrierte Ton einen Reichtum, der nicht allein der der individuellen Kreativität eines Autors ist. Man erlebt Gesichter, Körper, Bewegungen, Gesten, Stimmen, Sprechweisen, Redensarten, Formen des Sicht- und Hörbaren, die es in der Realität gar nicht mehr gibt. Auch Kameraeinstellungen und -bewegungen, Schnitte, Blicke. Alte Filme sehen: dem Tod bei der Arbeit zuschaun. Zwischen den Bildern dieses Films kann man über das vorhitlerische Deu’schland mehr erfahren als in den Zeilen manchen Erinnerungsbuches.

„Rote Sonne“, von Rudolf Thome. „Zabriskie Point“, von Michelangelo Antonioni. „Barquero“, von Gordon Douglas.

Im Fernsehen: „Nachts unterwegs“ (1940), von Raoul Walsh, Bayern III am 9. Oktober. „Der Kriminelle“ (1960), von Joseph Losey, West III am 10. Oktober. „Sekundenfilme“ (1969), von Vlado Kristl, Hessen III am 10. Oktober. „Erinnerungen an die Unterentwicklung“ (1967), von Tomas Gutierrez Alea, ZDF am 12. Oktober.

Wenn Sie nichts Besseres vorhaben:

„Abgerechnet wird zum Schluß“, von Sam Peckinpah. Cable Hogue, von verbrecherischen Kumpanen in der Wüste ausgesetzt, findet ein Wasserloch, direkt an der Postlinie, er baut eine Raststätte und gelangt zu Wohlstand, bis das erste Automobil auf der Piste ihn überfährt. Jeden Morgen zieht Cable Hogue das Sternenbanner auf – auch der Film ist eine Apothese des freien Unternehmertums im Land der einstmals unbegrenzten Möglichkeiten. Der Held schlägt sich mit beschränkten Bankiers herum, aber letztlich macht er selbst das große Geschäft. Sein Tod – nach einem bunten, männlichen, erfüllten Leben – ist ein ironischer Tribut an den Fortschritt. Sam Peckingpah betreibt, wie schon in „The Wild Bunch“, den Ausverkauf des Westerns. Ein paar schöne Bilder in der besten Tradition des Genres gelingen ihm dabei; was er selbst beiträgt, wie Zeitraffergags und mehrere Bilder zugleich statt nacheinander, ist Schnickschnack.

„Die Gräfin und ihr Oberst“ von Jery Skolimowski. „Performance“, von Donald Cammel und Nicholas Roeg. „Der Vollstrecker“, von Sam Wannamaker. „Nur Pferden gibt man den Gnadenschuß“, von Sydney Pollack. „Ein Mann, den sie Pferd nannten“, von Elliot Silverstein. „Monterey Pop“, von D. A. Pannebaker. „Woodstock“, von Michael Wadleigh.