In Düsseldorf stehen drei Raketenklauer vor Gericht

Düsseldorf

Westdeutschlands schlagzeilenträchtigstes Agenten-Terzett, Manfred Ramminger (39), verkrachter Bauunternehmer und Möchte-gern-Playboy aus Krefeld, Josef Linowski (49), Schlossermeister, gebürtiger Pole, der während der NS-Zeit sechs Jahre lang in Konzentrationslagern verbrachte, und Wolf-Dietrich Knoppe (35), der von der Bundeswehr so enttäuschte frühere Starfighter-Pilot, ist jeder – Respekt vor der Macht des Militärischen fremd. Zwei Jahre lang ignorierten sie alle Spionage-Spielregeln so geflissentlich, als handele es sich bei ihren Ost-West-Geschäften um einen arglosen Gemüsehandel, und sie sitzen jetzt eigentlich unter dem Vorwurf des versuchten Landesverrats und des Geheimnisverrats nur deshalb auf der Düsseldorfer Anklagebank, weil ein kleiner Einbrecher „mit besoffenem Kopp gequatscht hat“.

Die derbe Burleske begann ungewöhnlich: Ramminger, als Bauunternehmer Pleiteopfer der Rezession im Jahre 1966, baute als freier Architekt in Neuburg/Donau ein neues Werk für das Futtermittel „Milkivit“. Die Begeisterung über diese Kraftnahrung soll Schlosser Linowski, ob mit oder ohne Auftrag Rammingers ist umstritten, zu einer Reise nach Den Haag veranlaßt haben, wo er dem Portier der sowjetischen Botschaft eine entsprechende „Milkivit“-Offerte überbracht haben will. Jedenfalls flog Ramminger einige Wochen später nach Moskau, wo er von einem sowjetischen Gesprächspartner, den er bald wegen seines „unaussprechlichen Namens“ nur noch kurz „Michail“ nannte, zwar den Auftrag für eine Fabrik erhielt, zugleich aber um „einige Gefälligkeiten“ gebeten wurde.

Die Gefälligkeiten: Beschaffung der Starfighter-Navigationsgeräte LM 3, die Ramminger allerdings für einen „Ladenhüter“ gehalten hat, zumal ihn der Sowjetmensch Michail beruhigte: „Das sind Waren, die jeder im Westen frei kaufen kann. Nur wir nicht.“

Da sich dies rasch als arge Untertreibung herausstellte, traf es sich gut, daß ein anderer Skatfreund des Architekten, der durch Ehescheidung und Absturzangst nervlich ruinierte Hauptfeldwebel Knoppe, auf dem Flugplatz Neuburg stationiert war. Moralische Bedenken des Uniformträgers baute Ramminger mit der in Moskau ererlernten Gefälligkeitstheorie allmählich ab: Wer 5000 Mark Monatssalär, einer früheren Luxus-Limousine des Herrn Flick und einem respektab- – len Bungalow wolle ein Dr. G., Generaldirektor der Deutschen Edelstahlwerke, Flieger Knoppe als Privatpiloten engagieren, erzählte er dem Freund. Allerdings erwarte Dr. G. als Zeichen der Verbundenheit jene Navigationsgeräte, um der amerikanischen Konkurrenz Einhalt gebieten zu können.

Mit deutscher Gründlichkeit