Friedmann Hollmann, Geschäftsführer der Vorwerk & Co Elektrowerke KG aus Wuppertal ist empört: "Das ist eine Lex anti Vorwerk." Der Zorn des Managers richtet sich gegen die geplante Änderung des bisher geltenden Abzahlungsgesetzes.

Was den Sozialdemokraten in der Großen Koalition nicht gelang, soll nun im zweiten Anlauf in der Kleinen Koalition verwirklicht werden: Biedere Hausfrauen und ahnungslose Ehemänner sollen davor bewahrt werden, von unseriösen Hausvertretern überrumpelt zu werden. Justizminister Gerhard Jahn: "Ich weiß aus meiner eigenen Arbeit als Abgeordneter in einem Wahlkreis, welche große Rolle das Problem spielt, wieviel Menschen es betrifft."

Obgleich weder Jahn noch Wirtschaftsminister Schiller sagen können, wie groß das Ausmaß von Überrumpelungsaktionen an Haustüren ist, soll künftig "ein Käufer, der durch mündliche Verhandlungen außerhalb des ständigen Verkaufsraums .. des Verkäufers zum Abschluß eines Abzahlungsgeschäfts bestimmt worden ist, den Kauf binnen einer Woche widerrufen können".

Von solchem Recht zum Rücktritt fühlt sich die Wirtschaft getroffen. Vorwerk zum Beispiel: Das gesamte Elektrogeschäft des Wuppertaler Unternehmens (Elektroumsatz 250 Millionen Mark, das ist die Hälfte des Gesamtumsatzes) wird im Direktvertrieb abgewickelt. Nach SPD-Lesart sind das Geschäfte an der Haustür. Vorwerk-Manager Hollmann nennt es vornehmer: "Wir sagen, Geschäfte in der Wohnung."

Mit rund 3000 Verkäufern organisierte Vorwerk ein Vertriebsnetz mit stolzer Bilanz: "Jeder dritte Haushalt hat ein oder mehrere Vorwerk-Geräte." Vorwerk fürchtet indes nicht wie viele andere einen Umsatzrückgang durch das neue Gesetz. Der offene Protest der Wuppertaler gegen die Bonner Abzahlungspläne hat andere Gründe.

Bislang ist Vorwerk sowohl dem Ärger mit Kunden wie auch mit "faulen" Vertretern aus dem Weg gegangen. Das Vorwerk-System funktioniert "problemlos", weil die eingehenden Aufträge der Kunden genau überprüft und die Vertreter regelmäßig auf ihre Zuverlässigkeit kontrolliert werden. "Wer krumme Sachen macht, wird gefeuert." Überdies verfolgt die Firma die Strategie des freiwilligen Rücktritts. Wer vom Geschäft zurücktreten will, der kann es. Hollmann: "Wir haben noch keinen zur Abnahme gezwungen."

Die Seriosität der Wuppertaler, die auch in Bonn bescheinigt wird, macht sich bezahlt. Denn wer einmal ein Vorwerk-Gerät kauft und gut bedient wurde, kauft sich aller Wahrscheinlichkeit nach dort auch das nächste Gerät. So zumindest rechnet der Hersteller. Sorgen hingegen hat das Unternehmen, weil das vorgesehene Gesetz "die Mitarbeiter diskriminiert". In der Öffentlichkeit könnte der Eindruck entstehen, alle Haus Vertreter seien "schräge Vögel". Hollmann: "Es wird ja überhaupt kein Unterschied zwischen den seriösen Vertretern und den schwarzen Schafen gemacht." Das führe dazu, daß sich kaum noch jemand zu diesem Beruf entschließt. "Wer will schon gerne abgestempelt sein."