Es ist noch nicht sehr lange her, da schossen die „aggressiven“ Investmentfonds wie Pilze aus dem Boden. Beheimatet waren sie vornehmlich in Ländern ohne strenge Investmentgesetzgebung, also in Panama, auf den Bahamas oder auf den Niederländischen Antillen. Nach ihren Satzungen konnten sie praktisch alles mit dem Geld ihrer Anleger anstellen; sie konnten wild spekulieren. Inzwischen wissen wir, daß diese Fonds – soweit man überhaupt noch etwas von ihnen hört – die empfindlichsten Verluste aller ausländischen Fonds erlitten. Das neue deutsche Gesetz über die Zulassung von Auslandsfonds hält diese Spekulationseinrichtungen von der Bundesrepublik fern.

Aber es gibt Nachfolger. Kürzlich fiel mir ein Inserat auf, das überschrieben war mit folgendem Satz: „Ob Kurse fallen oder steigen, Sie sind stets mit Gewinn beteiligt.“ Weiter wird versprochen: Durch die fähigsten Börsentalente erhalten Sie in der Regel alle zwei Jahre mehr als eine Verdoppelung Ihres Kapitals.

Daß der Mann, der diese Gewinne in Aussicht stellt, seinen Namen nicht nannte und Zuschriften unter Chiffre erbat, machte die Sache reizvoll. Die Töne waren so altbekannt, daß es mir lohnend schien, der Sache auf den Grund zu gehen. Der Inserent, der sich in der Lage fühlt, so ungewöhnliche Gewinne zu prophezeien, heißt Karl Mayer aus Stuttgart und ist Repräsentant für den „Hedge Club Atlantic Private Broker Exclusive Trust Reg.“. Daneben bietet er noch den an dieser Stelle schon mehrfach behandelten Par Fund sowie den Agri-Fund an, der – wie Mayer schreibt – „sein Glück in der Lebensmittelbranche sucht“. CDU-Bundeswirtschaftsminister a. D. Kurt Schmücker leistet beim Agri-Fund Vorspanndienste.

Heute geht unser Gespräch um den Hedge Club, Was ist das? Dazu die eigene Darstellung: Der Hedge Club ist die lose Vereinigung von gutsituierten Persönlichkeiten, die an den steigenden und fallenden Aktien profitieren wollen. Die Gesellschaftsform ist zu vergleichen mit der in Deutschland üblichen bürgerlich-rechtlichen Gesellschaft, auch oft als sogenannte „stille Gesellschaft“ bezeichnet. Hierbei bedient sich die Personengruppe eines professionellen Beraters.

Aus den Veröffentlichungen des Hedge Clubs geht hervor, daß er ähnlich arbeitet wie ein normaler Investmentfonds. Nach seiner eigenen Darstellung wird die Mitgliedschaft nicht öffentlich angeboten. In Punkt 26 seiner „Offiziellen Mitteilung Nr. 1“ heißt es sogar ausdrücklich: „Der Hedge Club will keine marktschreierische Werbung, gleich welcher Art, sei es in öffentlichen Massenmedien, Verteilen von Handzetteln und Anschlägen usw. Der Hedge Club ist nicht verantwortlich für Erklärungen, die Anlageberater und Dealer im eigenen Namen abgeben, insbesondere dann, wenn sie im Widerspruch zu den offiziellen Verlautbarungen des Hedge Clubs stehen.“

Offenbar hat es in dieser Hinsicht Ärger gegeben. Denn in der „Offiziellen Mitteilung Nr. 2“ heißt es dann, daß Dealer sich klubschädigend verhalten haben. „Einzelne Dealer, insbesondere in Deutschland, haben eine lautstarke Werbung entgegen den vertraglichen Vereinbarungen betrieben.“ Was Karl Mayer mit seinem Inserat tat, ist ja wohl auch noch recht lautstark. „Die angebotene Sache ist so gut, daß es ein gewöhnlicher Sterblicher gar nicht zu fassen vermag!“ schreibt Karl Mayer.

Aber er ist nicht nur mit Worten großzügig, sondern auch mit Taten: „Falls Sie mir weitere Kunden zuführen, beteilige ich Sie an der mir zustehenden Provision mit zwei Prozent. Sollten Sie bei Ihrer Vermittlertätigkeit größere Erfolge haben, so könnte diese Provisionsbeteiligung bis auf vier Prozent erhöht werden. Bei der Vermittlung neuer Kunden muß jedoch streng darauf geachtet werden, daß nur gutsituierte Persönlichkeiten im Hedge Club Zugang finden.“