Die Konjunkturprognose, sei sie nun amtlich oder privat, ist hilfloser denn je. Die widersprüchlichen Vorhersagen führender Wirtschaftsforschungsinstitute, der Bundesbank und des Bundeswirtschaftsministeriums. haben dies um so deutlicher gemacht, je mehr Aufmerksamkeit ihnen während der vergangenen Monate zuteil wurde. Fast noch wie zu jener Zeit, als sogar klimatische und astronomische Daten für den Konjunkturverlauf verantwortlich gemacht wurden, fehlen auch heute noch zuverlässige Indikatoren.

Daran mag man sich erinnert fühlen, nachdem in den vergangenen Tagen führende Politiker der Bundesregierung das Ende der Preiskonjunktur prophezeiten und sich dabei auf recht fragwürdige Beweismittel gestützt haben. Bundeskanzler Brandt sieht in der Beruhigung der Stahlpreise den Anfang vom Ende wirtschaftlicher Hypertrophie. Und der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswohnungsbauministerium, Karl Ravens, begründete jetzt seinen Glauben an eine bevorstehende Stabilisierung der Baupreise mit den getesteten Erwartungen der Unternehmer in dieser Branche. Nur noch 19 Prozent – gegenüber 84 im Februar – rechneten mit steigenden Preisen.

Nun haben sich aber leider auch Preiserwartungen, wie sie? das Münchner Ifo-Institut regelmäßig testet, als recht unzuverlässig erwiesen. Sie scheinen nicht immer ernst gemeint zu sein. Auch ihre Veröffentlichung macht in der Branche nicht immer Eindruck. Denn schon vor mehr als einem halben Jahr sind die Preiserwartungen der deutschen Unternehmer gesunken. Die Preise sind dennoch weiter gestiegen. pl