DIE ZEIT

Pausenzeichen im Orient

Die Ägypter haben sich rascher auf einen Nachfolger für Gamal Abdel Nasser geeinigt, als in der Gefühlsaufwallung der Trauerwoche zu erwarten war.

Amerika erhöht den Preis

Zwischen Amerika und seinen europäischen Verbündeten bereitet sich der größte Interessenkonflikt seit der ersten Hälfte der sechziger Jahre vor.

Kreuzzug oder zu Kreuze?

Heiligen politische Zwecke das Mittel der Gewalt? Die Frage, an der sich diesseits und jenseits des Atlantiks die Geister scheiden, die Frage nach der Rechtfertigung der Gewalt, sie droht nun auch die Lutheraner zu entzweien – freilich erst, seit es an den Klingelbeutel geht.

Risse in der FDP

Was ursprünglich mehr als Warnschuß denn als Auftakt zum Hinauswurf aller Abtrünnigen gedacht war, hat mittlerweile eine Lawine ausgelöst.

Nassers schweres Erbe

Tränenüberströmt kniete der ägyptische Bauarbeiter in seinem Flanellhemd nieder, wuchtete eine schwere Marmorplatte in die Fugen und verschloß damit die Gruft der Nasser-Moschee in Kairo.

ZEITSPIEGEL

Vorige Woche wurde in Moskau eine „Vereinbarung über den Austausch von Wissenschaftlern“ unterzeichnet. Jährlich sollen sechzehn bekannte Wissenschaftler ausgetauscht werden, die im Gastland Seminare halten, aber auch Wissenschaftler aus den niederen Rängen sollen von der Abmachung profitieren.

Zu Hause warten Sorgen

Von Richard Nixon, dem Dirigenten einer Weltmacht, entfernte sich der um die parlamentarische Mehrheit kämpfende Stratege der Heimatfront auf seiner neuntägigen Europa-Reise manchesmal.

Wolfgang Ebert:: Die Flagge zeigen

Präsident Nixon war gerade am Mittelmeer, um dort die amerikanische Flagge zu zeigen, weil deren Aussehen dort vielleicht etwas in Vergessenheit geraten war.

Tauziehen um Berlin

Der Auftakt des ersten Treffens der vier für Berlin verantwortlichen Botschafter nach der Sommerpause versprach nicht eben viel.

Ausbruch aus der Isolierung

Vom Erbe Mohammeds geblieben ist das schwarze Kopftuch, das die alten Albanerinnen nördlich von Tirana seit fünfhundert Jahren tragen.

Die Obristen fühlen sich sicher

Georgios Papadopoulos, Oberst a. D. und griechischer Premierminister, kann frohlocken. Ihm wurde eine Auszeichnung zuteil, die sich auch innenpolitisch auswirken wird: Drei Tage lang besuchte der amerikanische Verteidigungsminister Melvin Laird Griechenland.

Sidewinder-Prozeß: Frachtgut nach Moskau

Westdeutschlands schlagzeilenträchtigstes Agenten-Terzett, Manfred Ramminger (39), verkrachter Bauunternehmer und Möchte-gern-Playboy aus Krefeld, Josef Linowski (49), Schlossermeister, gebürtiger Pole, der während der NS-Zeit sechs Jahre lang in Konzentrationslagern verbrachte, und Wolf-Dietrich Knoppe (35), der von der Bundeswehr so enttäuschte frühere Starfighter-Pilot, ist jeder – Respekt vor der Macht des Militärischen fremd.

Nichts für feine Bremer

Daß die Bremer Marcusallee eine Prachtstraße ist, wissen nicht nur die Besitzer der dort anliegenden herrlichen Villen. Dem Rechtsanwalt und ehemaligen CDU-Landesvize Hans Ludwig Kulenkampff verdankt die Öffentlichkeit in jüngster Zeit eine exakte Definition vom Wer: dieser Straße.

Mit schwarzen Fahnen

Zum Auftakt des hessischen Landtagswahlkampfs boten die Sozialdemokraten ihrer ersten Mann auf. Doch der Bundeskanzler fand im Land der absoluten SPD-Mehrheit unterschiedliche Resonanz.

Landarzt-Leiden

Es ist nichts übertrieben, die Geburt fand statt. Das idyllische Dorf liegt nur drei Kilometer entfernt auf der Schwäbischen Alb.

Bilder-Bummel

Der „Kleine Schloßplatz“ findet nur zögernd Anklang bei den Stuttgartern: Die bei jedem Wetter graue Betoninsel in der Innenstadt (halb Westwall, halb Chandigarh) leidet sichtbar unter urbanistischer Anämie.

Berlin-Papier der Sowjets

Mitte voriger Woche trafen die Botschafter der vier Großmächte zu ihrer siebenten Gesprächsrunde über Berlin im ehemaligen Kontrollratsgebäude in Berlin-Schöneberg zusammen.

Bonn-Warschau: Neue Gespräche

Am Montag trafen sich in Bonn der stellvertretende polnische Außenminister Winiewicz und der ehemalige Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Duck witz, zur Fortsetzung der deutsch-polnischen Gesprächsrunde, um über einen „Vertrag ziur Normalisierung der beiderseitigen Beziehungen“ zu beraten.

Zahlungen für US-Truppen

Die Verteidigungsminister beschlossen, daß ihre Staaten gemeinsam einen Teil der Lasten, die den Vereinigten Staaten durch die Stationierung Ton Truppen in Europa entstehen, übernehmen, wenn Washington zu erkennen gibt, die Zahl seiner Truppen nicht zu verringern.

Dokumente der ZEIT

„Der mutige Kampf des Volkes der Vereinigten Arabischen Republik gegen den Imperialismus und die israelische Aggression ist in der Geschichte mit dem Namen Gamal Abdel Nasser verbunden.

Nachfolger Nassers nominiert

Überraschend schnell hat die ägyptische Staatspartei, die Arabische Sozialistische Union (ASU), einen Nachfolger für Präsident Nasser aufgestellt: Der amtierende Staatspräsident Anwar el Sadat soll an der Spitze eines Dreierkollegiums die Geschäfte führen.

Wahlen in Wien: Erfolg der SPÖ

Bei den Nachwahlen in drei Wiener Wahlkreisen konnte am Sonntag die regierende Sozialistische Partei Österreichs (SPÖ) der oppositionellen österreichischen Volkspartei (ÖVP) einen Sitz im Nationalrat abnehmen.

Bolivien: Militär putschte

Nach nur einem Jahr Amtszeit ist Boliviens Präsident, General Alfredo Ovando Candia, zurückgetreten. Rechtsgerichtete Offiziere unter Führung des Generalstabschefs Rogelio Miranda hatten am Wochenende den Rücktritt Ovandos verlangt, dessen richtungsloser Kurs zwischen rechts und links zunehmend kritisiert worden war.

Abschreckung im Mittelmeer-Raum

Der amerikanische Präsident Nixon hat seinen neuntägigen Europabesuch, der ihn nach Italien, Jugoslawien, Spanien, Großbritannien und Irland führte, am Montag beendet.

Vielen klingt es immer noch wie: Autovision und Mädchenverbund

Daß da etwas im Busch ist, ahnen viele: Schließlich vergeht kaum ein Tag, ohne daß in den Tageszeitungen, meist irgendwo in den Wirtschaftsteilen, Neuigkeiten über Aktivitäten im Multimedien-Bereich erscheinen, in der Regel bezogen auf aufwühlende Änderungen, auf die sich das gesamte Schulwesen gefaßt machen müsse.

Eduard Zimmermann: XY-Jäger und XY-Gejagte

Nicht alle Langhaarigen sind dem Rauschgift verfallen, tröstet uns Eduard Zimmermann – dafür ist er selber von Allergie befallen: Er reagiert auf Kritik mit Ausschlag.

Das Bonner Aschenputtel

Hansgert Peisert ist Professor für Soziologie am Zentrum für Bildungsforschung der Universität Konstanz. Im Auftrag des Auswärtigen Amtes bereitet er ein Gutachten über die auswärtige Kulturpolitik vor, über das er bei einer Tagung der Evangelischen Akademie Loccum referierte.

Widerspruch

Peiserts Konzeption hat viel Widerspruch erfahren! Seitens der Orthodoxie, der sie viel zu weit geht, vor allem dadurch, daß sie die heiligen Kühe der deutschen Schulen nicht ungeschoren läßt – falls man Kühe scheren kann.

Wer ist der Größte?

Daß die Existenz der Künstler von unserer materialistischen Gesellschaft überhaupt noch wahrgenommen wird, ist insofern ein Phänomen, als die Künstler als soziologische Gruppe eine verschwindend kleine Minderheit sind, deren Produktion ebenso verschwindend klein ist.

Das Ersatzauge

Die Möglichkeit, Menschen und Dinge auf direktem Weg so abzubilden, wie sie sich in Wirklichkeit darstellen, zielte – über praktische Anwendungsgebiete hinaus – auf eine Erschütterung traditioneller Kunsttheorie: Malerei, die sich auf die Nachahmung der Natur berief, war durch den realitätsreproduzierenden Apparat virtuell entthront.

Schwedische Strafrechtspflege

Die Etikette des Standes will es, daß der Autor – ein illustrer deutscher Strafverteidiger – ungenannt bleiben möchte. Seine Erfahrungen sammelte er bei dem Versuch, einen zweiundzwanzigjährigen Deutschen aus guten und gänzlich unzerrütteten Familienverhältnissen nach Deutschland zurückzuholen.

ZEITMOSAIK

Das Publikum war ihr Aufputschmittel, sie hat das Publikum verrückt gemacht; sie war eine Wilde, die sich auf der Bühne vollkommen verausgabte, sich ihrem Gefühl vollkommen überließ, rauschhaft und rotzfrech, ekstatisch und expressiv, und ihr langes braunes Haar verdeckte wirr und verfilzt ihr Mädchengesicht – und jetzt ist sie tot: Janis Joplin, die ganz sicher beste weiße Bluessängerin der letzten Jahre, ein aufwühlendes – und selber sehr aufgewühltes – Talent.

Horst Krüger:: Was bleibet aber: der Dichter

Ich weiß, das ist nun schon sehr lange her, zu lange, um darüber noch Worte zu verlieren. Und doch, indem ich das alles vergesse, absacken lasse, indem ich mich schüttele wie ein Pudel, alles abzustreifen, wegzuwerfen versuche, was Buchmesse hieß, steigen Erinnerungen auf.

Keine gute Hasserin

Einen weiteren Roman hat diese Schriftstellerin nach der „Clique“ nicht mehr veröffentlicht, wenngleich abgeschlossen. Statt dessen erschienen zwei Reiseberichte aus Vietnam in Buchform, von denen der erste über Südvietnam als Beobachtung von „Amerikanern draußen“ zu jener Art sarkastischer Sittenschilderung wurde, die ihr besonders liegt.

Ein Jahrbuch für kritische Vögel

Manchmal scheint es in der Tat, als hätte Karl Marx nicht ganz zu Unrecht unsere Geschichte mit einem „ungeschickten Rekruten“ verglichen, der „bisher nur die Aufgabe hatte, abgedroschene Geschichten nachzuexerzieren“.

Die friedliebenden reichen Alten

Als im Jahre 1956 in Köln die Ausstellung „Kunst und Kultur der Etrusker“ gezeigt wurde, die seitdem nicht nur in europäischen Großstädten, sondern 1968 sogar in Tokio zu sehen war, ist das Interesse für diese Kultur stetig gewachsen.

KRITIK IN KÜRZE

„Staub läßt sich nicht greifen“, Roman von Agnes Chabrier. Der herzkranken Catherine verzehrender Drang, das Geheimnis der Frau Sullivan „dem Grabe zu entreißen rührt von der Tatsache, daß ihr aus ungeklärter Ursache dem Wahnsinn verfallener und alsbald verstorbener Gatte im Delirium den Namen Sullivan zu wiederholen pflegte.

Ironie als Vorwand

Denn erst in der Nacht vom 27. auf den 28. August geschieht das, was Maus’ und Katers Mitteilungen nachträglich als zielgerichtet erscheinen läßt.

Fernsehen: Aufklärung für Bildschirm-Schurken

Gangster auf dem Bildschirm sollten daher niemals stark karierte oder gestreifte Anzüge tragen. Wollen sie, weil’s so praktisch ist, nicht auf ein schwarzes Hemd verzichten, so sollten sie wenigstens keine wild gemusterte Krawatte umbinden.

Nationale Feiertage“ in Berlin: Arien zum Andenken

Wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm ganz bestimmt nicht wiederhaben – Soldaten werden, so sie in der Kneipe sitzen und besonders, wenn sie zuvor noch getötet haben, zur Soldateska, sie führen Unflat und Gewieher im Munde und möchten der Frau Wirtin werweißwohin fassen – Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht sind ganz anders – Deutsche Spießer sind Spießer – Politiker der Weimarer Zeit waren tumb, aber redselig, so kamen sie zu nichts – Krieg ist lange nicht so schön, wie man denkt.

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