Von Wolfgang Werth

Am 25. August um 9 Uhr 30 beginnt der überalterte Schüler Michael Maus in Miesburg urplötzlich und ohne erkennbares Motiv eine Ich-Erzählung im Präsens.

Genau zur selben Zeit hebt auch der Ex-Studentenführer Peter Kater in Saint Tropez an zu monologisieren. Auch er könnte, fragte man ihn, schwerlich erklären, warum er das tut.

Denn erst in der Nacht vom 27. auf den 28. August geschieht das, was Maus’ und Katers Mitteilungen nachträglich als zielgerichtet erscheinen läßt. Doch die sonderbaren Helden sind keine Hellseher. Sie wissen nichts von künftigen Dingen noch etwas voneinander. Daß Kater Maus nicht kennt, verwundert nicht; daß aber auch Maus nie von Kater gehört haben soll, ist zumindest erstaunlich, da der doch im Vorjahr als Held von Miesburg im ganzen Land zu spektakulärem Ruhm gelangte: Er hatte den dortigen Universitätsrektor öffentlich ein „repressives Arschloch“ genannt und damit die Miesburger Mai-Unruhen provoziert, denen er selber zum Opfer gefallen wäre, hätte er sich seinen Gegnern, sauber empfindenden Bürgern, nicht mit knapper Not durch Flucht entziehen können.

Obwohl die Solisten persönlich nichts verbindet, kommen sie wunderbarerweise in ein- und demselben Buch zu Wort. Denn über ihnen waltet ein Schöpfer. Er sitzt am himmlischen Mischpult und läßt Maus und Kater alternierend reden. Jeder kommt genau vierzehnmal dran. Ohne es zu wissen, werden Maus und Kater auf diese Weise Koproduzenten des neuen, thematisch schon leicht antiquierten Romans von

Martin Roda Becher: „Saison für Helden“; R. Piper & Co. Verlag, München; 310 S., 19,80 DM.

Dessen merk- und fragwürdige Konzeption läßt vermuten, der Drehbuchschreiber Becher (er ist Autor der Filme „Sommersprossen“ und „Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höh“) habe hier ohne große Überlegungen ein Filmszenarium zum Roman umzufunktionieren versucht.