Deutsche Agrarexporteure wagen eine kühne Prognose: „Wir erwarten in diesem Jahr, erstmals die Vier-Milliarden-Grenze zu überschreiten.“ Claus Boeking, Marketing-Leiter der kürzlich gegründeten Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) erklärt: „Im ersten Halbjahr hat unser Agrarexport das Volumen von zwei Milliarden Mark erreicht. Das bedeutet eine Steigerung um 31 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.“

Tatsächlich können sich die deutschen Landwirte kaum über mangelnde Popularität ihrer Produkte im Ausland beklagen. Die Exporte haben seit 1965 konstant zugenommen. Damals erreichte die Ausfuhr ein Wertvolumen von 1,87 Milliarden Mark, 1969 bereits 3,4 Milliarden – eine Steigerung um fast 100 Prozent in fünf Jahren.

Bei einigen Produkten erreichte die Zuwachsrate weit mehr als 100 Prozent. Der Absatz von Milch und Milchprodukten im Ausland stieg um 500 Prozent, die Ausfuhr lebender Tiere um 200 Prozent. Der Export von Fleisch und Fleischwaren nahm um 300 Prozent, der Käseexport um 100 Prozent zu.

Hauptabnehmer deutscher Landprodukte (Rindvieh, Schweine, Fleisch, Käse Milch und Butter) ist Italien. In diesem Jahr nähert sich das Exportvolumen nach Italien der Milliarden-Mark-Grenze. Am gefragtesten ist in Italien deutscher Käse. 70 Prozent (143 Millionen Mark) des deutschen Käseexports gehen über die Alpen „in den Stiefel“.

Insgesamt sind die EWG-Länder und die übrigen europäischen Länder die größten Kunden der deutschen Landwirtschaft. 57 Prozent des Exports gingen in EWG-Länder, 18 Prozent in die übrigen Länder des Kontinents.

Einer der Gründe des gestiegenen Ausfuhrvolumens ist in der Arbeit der Arbeitsgemeinschaft Agrarexport zu suchen, die 1958 von dem bisherigen Geschäftsführer Helmut. Fahrnschon gegründet wurde. Fahrnschon, jetzt Geschäftsführer der CMA, brachte den deutschen Bauern den bisher nur als Fremdwort bekannten Begriff Marketing näher.

Dank Werbung und wachsendem. Wohlstand in den Nachbarländern haben deutsche Spezialitäten dort bereits Prestigecharakter angenommen.

hff