Von Ilse Meudtner

In den Hochsommermonaten Juli und August gehört die Baleareninsel Ibiza den Charterflug-Touristen. Wer aufs Geratewohl ankommt, wird im Freien übernachten müssen; alles ist besetzt.

Im Herbst, wenn man an den Stränden wieder Sand sieht und nicht nur – mehr oder minder braune – Körper, kommen die Kenner.

Es ist noch keine fünfzehn Jahre her, da galt Ibiza als Reiseziel für ruhesuchende Individualisten. Heute ist es jüngster Star des spanischen Massentourismus: 1969 kam eine Dreiviertelmillion Urlauber; hauptsächlich mit dem Flugzeug, aber auch die Schiffe, die von Barcelona in dreizehn Stunden übers Mittelmeer nach Ibiza schaukeln, waren restlos ausgebucht.

Das ganze Jahr sind die Hippies da, Ibizas phantasievolle Dauertourismus. Sie bringen Geld, sie kurbeln die Geschäfte ~~~ ~~~~ ~~~~ Atmosphäre. In Städtchen Ibiza schaut man sich gern in den vielen von ihnen kreierten Boutiquen, Boîtes und Restaurants um; „Clive“ heißt der interessante Haupt„schuppen“ am Hafen, „Tierra“ die Nachtbar, in der man jeden trifft, auch den Bürgermeister. Nur nackt über die Insel hüpfen (was geschehen ist) – nein, das geht in Spanien noch zu weit; Wohlgemerkt, man sieht die Blumenkinder nur in der Stadt Ibiza und auf der kleinen Nachbarinsel Formentera (siehe ZEIT Nr. 15/70). Wer sie nicht mag ...

Ibiza ist groß genug: 570 Quadratkilometer. Und grün bis an die gezackten felsigen Inselränder, mit herrlichen Badebuchten. Ein zauberhaftes Eiland, Lieblicher, ruhiger, weitaus grüner als Mallorca, mit oftmals tropischer Vegetation in den Tälern und einem bemerkenswert ausgeglichenen Klima: Im Sommer selten über 32 Grad, mit Oktobertemperaturen von 20 Grad, und immer noch 16,3 Grad als Durchschnitt im November. Neuerdings wirbt Ibiza auch um Fremdenverkehr im Winter; in der letzten Saison brachte das 10 000 Gäste.

„Kein Hotelzimmer ohne Bad!“ Das ist einer der stolzen Werbeslogans der Insel. Die Mehrzahl der vielen Hotels entstand erst in jüngster Zeit. Im Sommer waren es noch 296 Hotels und Pensionen mit zusammen 31 633 Betten; zur Saison 1971 werden 3000 Betten dazukommen.