Heiligen politische Zwecke das Mittel der Gewalt? Die Frage, an der sich diesseits und jenseits des Atlantiks die Geister scheiden, die Frage nach der Rechtfertigung der Gewalt, sie droht nun auch die Lutheraner zu entzweien – freilich erst, seit es an den Klingelbeutel geht. Der Beschluß der Ökumene, südafrikanischen Freiheitskämpfern einige Hunderttausend Mark zuzuwenden, hat die Kirchen hierzulande in Verwirrnis gestürzt.

Wohlgemerkt: Der ökumenische Rat der Kirchen hatte nicht dazu aufgerufen, eine Partisanenbewegung aus Kirchensteuern und barmherzigen Spenden zu finanzieren. Er wollte den bedrängten Brüdern aus Rhodesien, Mozambik und der Südafrikanischen Union helfen, Hungernde zu speisen, Verwundete zu pflegen, Verhafteten beizustehen. Die neunzehn Organisationen, die bedacht werden sollten, haben sich sogar verpflichtet, das Geld nicht für den Krieg auszugeben. Aber der Gewalt abschwören wollen sie auch nicht. Eben deswegen will die lutherische Kirche der Bundesrepublik ihnen kein Geld zukommen lassen. Der Hamburger Bischof Wölber möchte, so sagt er, mit dieser „Kreuzzugsidee neuer Art“ nichts zu tun haben.

Den Glauben an den Segen der Gewalt hält er sicher zu recht für einen „mörderischen Irrtum“. Seine Kritiker fragen jedoch: Wird eine unpolitische Kirche nicht unglaubwürdig in einer Welt, wo Männer desselben Bekenntnisses im Namen Christi die Herrschaft weniger Weißer über viele Schwarze verteidigen? Bleibt der Kirche da noch eine andere Wahl als die zwischen Kreuzzug und Zu-Kreuze-Kriechen?

Auf jeden Fall wird die Kirche dem einzelnen Christen die Gewissensentscheidung nicht abnehmen können. K. H. J.