Ein Turnier zum Saisonauftakt, wie es die Weltmeisterschaft darstellt, schafft die Möglichkeit für einen Überblick. Denn gerade im Volleyball, das von mehr als achtzig Millionen Menschen in aller mehr gespielt wird, läßt sich trotz internationaler Meisterschaften und Olympischer Spiele letztlich keine reelle Rangfolge aufstellen. Dennoch will einem nicht einleuchten, warum Europameisterschaften, Weltpokal-Turniere oder gar Weltmeisterschaften vom internationalen Dachverband ständig vor Beginn der eigentlichen Saison angesetzt werden. Mithin in einer Zeit, in der – nach der aktiven Pause im Spätsommer – eigentlich erst wieder ernsthaft mit dem Training begonnen wird. Eine solchermaßen „künstllich“ verlängerte Saison ist selbst für konditionsstarke Spieler oft zu viel.

Als im vorigen Jahr in der Bundesrepublik die Bundesliga für Herren eingeführt wurde, hieß es „nur im harten Kampf innerhalb der Bundesligarunde werden die Spieler des Olympiakaders ihre Leistungen weiter anheben können“. Das mag wohl stimmen, doch Wunderdinge sind deshalb kurzfristig nicht zu erwarten. Und die entwicklungshilfebedürftigen bundesdeutschen Volleyballer werden sich weder in drei noch in vier Jahren, zur internationalen Spitzenklasse mausern. Das bedarf beim heutigen Leistungsstandard eines längeren Zeitraums.

In Bulgarien entwickelten sich die deutschen Damen zur besten westeuropäischen Mannschaft, doch das eigentliche Turnier – um die Weltmeisterschaft – erreichten Theda Hochs Mädchen auch nicht.

„Der internationale Volleyballsport braucht seine Sensation, um nicht eines Tages in Lethargie zu verfallen“, mutmaßte uns gegenüber ein jugoslawischer Trainer. Wie dankbar war das Publikum, als vor Jahren die Japaner mit Vehemenz ins Geschehen eingriffen. Inzwischen zählen sie längst zu den Arrivierten; ihre taktischen Konzeptionen gehören inzwischen zum „klassischen“ Volleyball-Repertoir.

Im bulgarischen Haskowa qualifizierten sich die Japaner ohne Satz- und Spielniederlage für das Viertelfinale. Das überraschte trotz der späteren 2:3-Niederlage gegen die Bulgaren die Fachleute. Doch der gewiefte Taktiker Yasutaka Matsudaira, einer der führenden Volleyball-Trainer der Welt, hatte nach den Olympischen Spielen in Mexiko sein Team rigoros umgestellt. Beim Weltpokal-Turnier im letzten Herbst in der DDR scheiterten die Japaner jedoch sogar an Brasilien. Jetzt ist die Mannschaft homogener, und vor allem Spieler, die beinahe zwei Meter groß sind, machen von sich reden.

Aber der japanische Volleyballsport wird auch weiterhin in erster Linie von den Damen repräsentiert. Und das mit Recht. Die Japanerinnen revolutionieren den Damen-Volleyball. Nicht allein mit ihren Flatteraufgaben deprimierten sie ihre Gegnerinnen, sondern vor allem mit der Rationalität ihres Spiels. Taktik des Einschläferns könnte man ihr Rezept manchmal nennen, blitzschnell unterbrochen von heftigen Konterattacken. Tägliches, sechsstündiges Training, das oft bis zum „blackout“ führt, gilt in japanischen Volleyballkreisen seit Jahren als „normale“ Vorbereitung auf wichtige Turniere.

Andere Mannschaften wiederum geben zwar auf großen Turnieren den Ton an, doch wenn es um Medaillen oder Titel geht, versagen sie. Zu ihnen zählten oft auch die Herren aus der DDR. Eklatante Schwächen gab es im rational spielenden DDR-Team jedoch seit gut drei Jahren nicht mehr. Da die „Breitenarbeit“ im mitteldeutschen Volleyverband seit eh und je mit besonderer Sorgfalt betrieben wird, sind Nachwuchssorgen kaum zu erwarten. Wesentlich aber scheint, daß man in der Nationalmannschaft zu einem eigenen Stil fand. Die Anleihen bei dem tschechoslowakischen, sowjetischen und schließlich auch japanischen Spiel erwiesen sich bei blinder Nachahmung allzusehr als „Fremdkörper“. Doch der eigene Stil führte zum Erfolg. In Bulgarien der siegte die DDR den Olympiasieger Sowjetunion mit 3:1 Sätzen.